El Gitano del mar

El Gitano del mar

Irre! Der völlige Wahnsinn! Wir wissen nicht, wie wir die 6 Tage auf der “Gitano del mar” sonst beschreiben sollten. Man sagte uns mehrmals: “Seid euch bewusst – die Gitano ist ein Party-Boot!” “Klar! Passt doch, wir sind ja keine Partymuffel!”, dachten wir uns. Aber was sich hier abspielte, spottet jeder Beschreibung – und trotzdem war die Erfahrung so unglaublich toll!

Die Gitano del mar

Das Boot

Willkommen bei “Das Boot”, der neuen Reality-Soap!

Härter als “Big-Brother”, wahnsinniger als das “Dschungelcamp” und ein schöneres Setting als in “Adam sucht Eva”! 16 völlig Fremde werden 6 Tage und 5 Nächte auf einem Katamaran zusammengesteckt und segeln durch die Karibik, entlang des wunderschönen San Blas Archipels. Die Teilnehmer treffen sich zum ersten Mal in Kolumbien und besteigen dann “DAS BOOT” in Richtung Panama, auf dem sie leben wie echte See-Nomaden.

So könnte das Intro lauten, falls wir hier wirklich in einer Soap gewesen wären. Und glaubt uns, manchmal haben wir die Kameras wirklich gesucht, weil wir nicht glauben konnten was hier abging 🙂 

Begonnen hat die Reise in Cartagena. Nachdem wir die Crew und die Mitreisenden kennengelernt hatten, wurden wir komplett von der Polizei auseinandergenommen. Scheinbar ist es üblich mehrere Kilo Kokain mit nach Panama zu schmuggeln. Die Polizei war fast schon enttäuscht, dass sie nichts fanden.

Los ging’s im Hafen in Cartagena
Ine wird gefilzt

Die ersten 2 Tage / 2 Nächte würden wir auf offener See mit Navigation verbringen. Das heißt, dass sich das Boot stetig bewegte. Vielen ging dabei der Magen durch und einige hingen kotzend über der Reling. Die karibische Hitze brannte Tag und Nacht. Keine Abkühlung im so nahen und doch so fernen kühlen Nass war möglich. Keine Möglichkeit zu duschen, denn Süßwasser war knapp. Die Toilette eine Art Pump-Klo und gerade mal groß genug für eine Arschbacke. Schlafen in den Kabinen ebenfalls unmöglich, da viel zu heiß – also schliefen wir alle auf Deck. Eingehüllt in alten Decken auf dem Boden, auf den Bänken, auf dem Dach unter dem Segel… Das klingt furchtbar, aber wir würden jetzt im Moment unser Bett im Hostel gegen einen Platz auf Deck sofort eintauschen. Stellt euch vor: Sternenklarer Himmel, das Rauschen der See, Delfine und Rochen die in den Morgenstunden das Schiff begleiten. Sonnenauf- und untergänge, die das kristallklare Meer zum Glühen bringen. Und nichts zu tun… kein Land in Sicht… nur das Meer, “das Boot” und wir selbst.

Zusammensein an Deck
Die Sonne geht unter, bei einigen kommt’s schon hoch
Matratzenlager in der Kajüte
Wir schlafen an Deck
Ine am Esstisch
Das Meer brennt

Schon in den ersten Tagen bildeten sich Grüppchen. Es ist wirklich krass zu beobachten, was passiert, wenn fremde Menschen auf so engem Raum zusammengesperrt werden. Man kann ja nicht einfach weg… also arrangiert man sich. Die einen mehr, die anderen weniger. Da wir auch einige “schwierigere Menschen” an Bord hatten – nennen wir sie “Gruppe Eskalation”, und nein, man glaubt es kaum, ich gehörte diesmal nicht dazu – und für deren Verhältnis viel zu viel Rum, geschahen einige “Missgeschicke”. Es flogen Flaschen durch die Gegend, da Besoffene auf dem Oberdeck einschliefen und dabei ihre Buddeln verloren. Es wurde gepöbelt und gestänkert. Einer bandelte gleich mit beiden Köchinnen des Boots an (so war auch der romantische Soap-Part abgedeckt). Andere fielen fast über Bord oder durch offene Luken in die Kabinen unter Deck und rissen sich dabei die Beine auf. Da der enge Raum bald in Rum getränkt war, verbrachte man die Nacht auch mal in einer Lache aus eben jenem. Und ja, es flogen dann auch mal die Fetzen 🙂

Am dritten Tag erreichten wir die ersten Inseln von San Blas. Es schien wie ein Traum oder wie eine Szene aus einem Piratenfilm. Dutzende Inselchen taten sich vor uns auf – teilweise nicht größer als unser Boot, mit ein oder zwei Palmen – teilweise etwas größer und vielleicht 100 m lang. Durchgeschwitzt von den letzten Tagen und Nächten sprangen wir ins Meer, als die Kapitänin das Zeichen gab, dass wir vor Anker lagen. Endlich! Wir schwammen zu den Inselchen, die meisten unbewohnt, auf anderen höchstens eine Hütte in der jeweils eine Familie des Kuna-Stammes wohnt. Wow, wir fühlen uns, als hätten wir diese Inseln gerade neu entdeckt. Die moderne Welt ist so weit weg von diesem Ort.

Ab ins kühle Nass
Wer davon ist wohl die Ine?
Eine Trauminsel mitten in der Karibik
Und schon eingenommen!

Einmal setzte die Kapitänin “Gruppe Eskalation” auf einer dieser Inseln aus, um eine Verschnaufpause zu bekommen. Die Aufgabe war es, Feuer zu machen. “Gruppe Eskalation” vergaß die Aufgabe aber nach wenigen Minuten und wunderte sich, dass sie auf einer einsamen Insel ausgesetzt wurden. Wir schwammen also auf die Insel der Ausgestoßenen, übernahmen die Aufgabe und den herrenlosen Rum (ja, als ob wir keinen Rum trinken würden) und machten für die Nacht ein wunderbares Feuer.

Die ganze Gang am Lagerfeuer

So ging es dann die nächsten drei Tage weiter. Wir fuhren durch das Archipel, sprangen ins Meer, schnorchelten mit Rochen, schwammen zu den Inseln und erforschten sie, machten BBQ am Strand und besuchten die Kunas in ihren Hütten und Dörfern. Eine Insel ist quasi die Hauptstadt, in der etwas mehr als 200 Menschen leben. Wir besuchten sie mit Olli, dem ersten Maat auf unserem Boot, denn er ist dort geboren. Er zeigte uns seine “Stadt” und seine Familie, was wirklich sehr interessant war. Auch gingen wir nachts auf eine Bar-Insel (also wirklich eine Mini-Insel auf der nichts anderes war, als eine Bar) und hatten dort eine grandiose Party mit einem anderem Boot, das ebenfalls dort ankerte.

Die Hauptstadt der Kuna
Kuna-Toiletten
Kuna-Toiletten von innen
Auf der Party-Insel im Bananendress

Gruppe “Eskalation” trieb es irgendwann nach einer unglaublichen Menge an Rum so dermaßen auf die Spitze, dass sie anfingen sich einzupinkeln und sich brennende Zigaretten in die Hintern zu schieben und mit Schwimmringen in Riffe abtrieben aus denen man sie mit dem Beiboot dann wieder retten musste. Einer ist fast in die Schiffsschraube geschwommen, weil er sich in die Hose geschissen hatte und deswegen von Deck sprang (nachmittags um 15 Uhr!).

Edwin (Name von der Redaktion geändert) wird von Einheimischen gerettet, nachdem er abgetrieben war

Auf die Frage an die Kapitänin, ob es bei einer Überfahrt immer so zugeht, wurde mit einem klaren Nein geantwortet. So etwas wie dieses Mal habe sie in ihren vier Jahren auf diesem Boot noch nie erlebt.

Alles in allem waren es am Ende jedoch nur zwei Leute, die sich wirklich so daneben benommen hatten, dass die Redaktion von “das Boot” sie aus dem Experiment entfernt hätte (selbst bei RTL2!). Der Rest wurde eine große Familie die ein großes Abenteuer auf der “Gitano del mar” erlebt hatte. Wir werden sie alle vermissen, denn so eine Zeit schweißt zusammen.

Letzter Sonnenuntergang auf San Blas
Erster (und bester) Maat Olli schippert uns mit dem Beiboot zu einer Insel
Was soll man sagen… geht’s noch paradiesischer?
Der karibische Traum
Adios amigos! Auf bald!
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