Reunión

Reunión

Es gibt doch nichts Schöneres, als auf einer langen Reise Besuch von Zuhause zu bekommen! Deshalb freuen wir uns wie die Schnitzel, dass unsere Freunde den langen Weg nach Kolumbien auf sich genommen haben. Zwei Wochen zogen wir nun zusammen durch Kolumbien, entlang der Karibikküste.

Dschungelcamp vol.2

Wir hingen in Hängematten, allzeit ein Bier in greifbarer Nähe, schwitzend, als wäre Schwitzen unser Lebenszweck, unfähig zu irgendeinem Entschluß (…) Jeder Schritt löste Schweiß aus, der sofort mit Bier ersetzt werden musste, und es ging nur, indem man in der Hängematte hing mit bloßen Füßen und sich nicht rührte, rauchend, Apathie als einzig möglicher Zustand.

Max Frisch – Homo Faber

Die Buchung einer “Eco”-Lodge auf der Isla Grande nahe Cartagena entpuppte sich gleich am Anfang als Härteprobe für die Gruppe 🙂

Mit einem kleinen gecharterten Boot, vollgepackt mit Bier und Rum, fuhren wir vom Hafen in Cartagena ab zur Isla Grande, in fröhlicher Erwartung auf ein Inselparadies.

Schon als wir am Steg anlegten, war klar, dass die Insel sehr naturbelassen ist. Keine Hotels, sogar wenige Hostels, viel Natur und viele Einheimische, die um die wenigen Touristen buhlen. Wir waren noch keine Minute vom Steg runter, da verfolgte uns schon Ludolf der Lobster-Guy, um uns seinen Fang des Tages auf die Nase zu binden. Crissi machte ihn durch sein Interesse an den Schalentieren gleich so richtig heiß, so dass Ludolf uns die nächsten Tage nicht mehr aus den Augen lassen würde.

Marsch zum Haus
Lobster, LOBSTER

Mit einem Leiterwagen brachten wir unsere Sachen vom Steg aus durch den kleinen Dschungel zum Haus. Das Haus, eher eine Holzhütte, war geräumig und lag inmitten in einer ruhigen Nachbarschaft mit einigen weiteren Hütten – wie unsere meist aus Holz, Stroh und Wellblech. Wir hatten eine große schöne Terrasse mit Hängematten und sogar einem Bett (wie sich herausstellte das einzige Bett, in dem man schlafen konnte, ohne zu “erschwitzen”). Es war gleich ersichtlich, dass uns hier kein Luxus erwartet: das Dach war undicht, die Dusche war ein Schlauch mit einer löchrigen Wasserflasche als Duschkopf, die Stromversorgung unbeständig und die Temperatur in der Karibik geht bei 35 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit so richtig an die Substanz 🙂 Nachdem Crissi also schon nach 10 Minuten aus lauter Verzweiflung anfing den ganzen Rum zu trinken und Alf in einen immerwährenden Zustand der Apathie verfiel (aus dem er 2 Wochen lang nicht erwachte), machten wir uns schnell auf zum Strand.

Die Insel hat mehrere schöne Strände zu bieten. Alle palmengesäumt und teils wie aus einem (Piraten-) Bilderbuch. Wir legten uns unter Bäume in den Schatten und genossen den karibischen Vibe. Ab und zu kam Ludolf vorbei, um weitere Meerestiere zum Verzehr anzubieten, was wir aber immer wieder ablehnten, da er uns schlicht und einfach auf die Nerven ging.

If you lika Pina Colada…
Nickerchen im Paradies
Kokosnuss-Football
Unser Steg

Am Abend bereitete uns die Nachbarin frischen Fisch und Huhn zu. Wie immer mit Kochbananen und Reis. Wie immer alles totfrittiert. Und dann brach die schwüle Nacht an… und mit ihr kamen die Insekten. Käfer die vom Aussehen her an unsere Maikäfer erinnern – hunderte, tausende fielen über uns her und formten ein unheiliges Bündnis mit den Moskitos. Es blieb nur noch die Flucht unter die Moskitonetze (und DEET-Mückenmittel, von dem man nur noch mehr schwitzen musste). Das Highlight jeder Nacht war das laut drönende Benzin-Aggregat mit dem die Nachbarn ihren Ventilator betreiben.

So verflogen die Tage auf der Isla Grande. Tagsüber perfekte Karibikstimmung, schnorcheln und tauchen im glasklaren Wasser, faulenzen auf den Stegen und am Strand. Nachts der Kampf gegen die brutale Schwüle und die Insektenhorden. Alf kämpfte diesen Kampf in Unterhose liegend im Außenbett (so Mittel-Clever gegen Moskitos), von dem er nur recht selten aufstand.

Flucht unter das Moskitonetz

Zu einem Ausflug konnten sich zumindest einige von uns aufraffen: “Nächtliches Planktonschwimmen in der verzauberten Lagune”. Ganze 40 Minuten dauerte der Spaß! 15 Minuten Marsch in Badehose durch den Moskitosumpf, 10 Minuten schwimmen in dunklem Wasser (war halt Nacht) und 15 Minuten nass zurückmarschieren. Kostet 10 Euro und alle hatten am Ende 50 Moskitostiche mehr. Fantastisch!

Irgendwann, als dann auch noch das Wasser ausging, Crissi das Klo kaputt gemacht hatte und wir Regenwasser in Eimern sammeln mussten, um die Toilette zu spülen, war die Moral der Gruppe am Boden. Mit letzter Kraft und dem letzten Rum überstanden wir das Dschungelcamp am Ende aber doch (und so schlimm war’s halt auch gar nicht – unsere Dschungelkönigin Lisa alias Chérie kann das bezeugen).

Das ist unsere Wasserversorgungsleitung
Hinterhof
Mit Rum und unserem Lieblingsspiel auf der Terrasse

Zurück nach Cartagena

In Cartagena bezogen wir ein wunderbares Hostel mit Pool in mitten der Altstadt im Studentenviertel. Hier herrscht ausgelassene Stimmung und auf den Plazas ist vorallem am Wochenende richtig was los (vorallem am “Plaza de Prostitutas”). Weit entfernt von der Schickimicki-Gegend, aber auch weit entfernt von unserem persönlichen Dschungelcamp fühlten wir uns sehr wohl.

Casa Relax

Endlich stießen dann auch noch Juli und Julian zu unserer Gruppe hinzu und wir waren vollständig 🙂 Julian ist Kolumbianer und fungierte deswegen ab sofort als unser (fantastischer) Guide.

Ein gemütlicher Mix aus Sightseeing, Pool und Party dominierte die nächsten Tage. Wir schlenderten durch die Altstadt, tanzten Salsa, futterten dutzende Empanadas und spielten stundenlang unser neues Lieblingsspiel “Secret Hitler”, was des Öfteren auch schräge Blicke der anderen Gäste auf uns lenkte (Brettspiel-Freunde aufgepasst! Das Spiel ist der Hammer!). Crissi probiere zudem jegliche Frucht des Landes und es wunderte uns dann deswegen doch, dass die Hostel-Toilette diesmal heil geblieben ist.

Wunderschöne Gässchen finden sich in der Innenstadt von Cartagena
Fort und Piratenschiff
Graffiti und Obstverkäufer
Castillo de San Felipe de Barajas
Blick Richtung Altstadt bei Nacht (Plaza Trinidad)
und in der Nacht ist überall was los

Weiter ging es dann in den Nationalpark Tayrona, zurück an den Strand. Davon mehr im nächsten Blog.

Die Kommentare sind geschlossen.