Coffein und Adrenalin

Coffein und Adrenalin

Wir sind jetzt schon wieder fast zwei Wochen in Kolumbien. Die Zeit vergeht und in nicht einmal mehr zwei Monaten werden wir schon die Heimreise antreten. Flug ist zwar NOCH nicht gebucht, aber wir haben einen Plan 🙂

In den letzten Tagen waren wir auf jeden Fall wieder sehr aktiv. Irgendwie hat Kolumbien unsere Reiselust angefeuert. Das lag vermutlich auch daran, dass wir in unglaublich tollen Hostels waren und in den letzten Tagen so geballt so viele tolle Leute kennengelernt haben, wie seit Langem nicht mehr. Ich kann wirklich sagen, dass Kolumbien jetzt schon ganz weit vorne auf unserer Liste der Lieblingsländer rangiert. Und so freuen wir uns jeden Tag erneut darauf, dieses tolle Land weiter zu erforschen.

Neben den schönen Seiten hat das Reisen auch immer wieder mal seine Schattenseiten. So sitzen wir gerade in einem Nachtbus Richtung Cartagena… Die voraussichtliche Fahrzeit von 15 Stunden werden wir wohl eher nicht einhalten können, da Mauthäuschen und stetige Polizeikontrollen den Verkehr so lahmlegen, dass sogar morgens um 4 Uhr kilometerlange Staus entstehen. Das schaffen dann auch wieder mal nur für Kolumbianer. Ab und zu kommen seltsame “Security-Typen” in den Bus und machen Fotos von den Passagieren ohne nachzufragen. Zudem isst jemand hinter uns Knoblauch-Chips! KNOBLAUCH-Chips!!!

Schlimmer geht’s grad nimmer

Kaffee unter Palmen

Ziemlich mittig in Kolumbien liegt Salento. Ein kleines Dorf, das noch nicht so richtig weiß, ob es touristisch sein will oder nicht. Wir empfanden es auf jeden Fall als ursprünglich und mega gemütlich. Ein kleiner grüner Platz schmückt das Zentrum wie in jedem noch so kleinen Dorf hier. Es gibt einige Bars und Restaurants und am Wochenende spielt Salsa in den Straßen und die Locals tanzen dazu (manchmal sogar mit ihren Pferden – lustig – aber wir glauben nur für den Reiter).

Straße in Salento

Salento ist vor allem bekannt für seinen Kaffeeanbau. Komisch ist, dass man hier in Kolumbien aber wirklich lange suchen muss, um guten Kaffee zu bekommen, denn der Löwenanteil wird exportiert! Auf den Plantagen um Salento findet man ihn aber, den leckeren Kaffee. Eine dieser Plantagen haben wir besucht. Der Sohn des Besitzers hat uns durch den Familienbetrieb geführt, uns den ganzen Lebenszyklus der braunen Bohne erklärt und uns natürlich viel Kaffee kosten lassen.

Kaffeebohnen
Zwei Seggl bei der Kaffeeernte

Ein weiteres Highlight in Salento sind die immergrünen Landschaften mit ihren riesigen Wachspalmen. Leider waren die Landschaften bei uns eher grau als grün, da dicker Nebel über den Feldern hing. Aber es ist halt Regenzeit und so hatte diese Wanderung ihr ganz eigenes mystisches Flair.

Mystische Stimmung
Etwas klarer
Kolibris 🙂

Die Hauptstadt Bogota

Eigentlich wollten wir nicht nach Bogota. Die Stadt schien uns nicht sehr sicher und von Großstädten hatten wir eigentlich genug. Aber da es unser Plan war, in den Osten nach San Gil zu reisen machte es irgendwie mehr Sinn über Bogota zu fahren und nicht zurück über Medellin.

Im Endeffekt hatten wir eine tolle Zeit dort und sind froh, Bogota nicht ausgelassen zu haben. Das Hostel war Klasse und die Stadt war weit weniger unsicher und ranzig, als wir sie uns vorgestellt hatten. Wir trafen zudem viele andere Travellern mit denen wir durch die Straßen zogen und die kolumbianische Barfrau unseres Hostels brachte uns in einen Salsa Club in La Candelaria, in dem wir die Nacht zum Tag machten.

Verkäufer vor der Kathedrale in Bogota
Eine der belebteren Straßen
Diese Gassen sollte man nachts meiden

Auch das Botero-Museum, eine Ausstellung von Bildern und Bildhauereien des berühmtesten kolumbianischen Künstlers war sehr interessant – auch wenn die meisten Bilder nur überdimensional fette Frauen zeigen 😀

Fette Frau von hinten

Das kolumbianische Queenstown

San Gil ist das Queenstown von Kolumbien. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder in Neuseeland kostet der Abenteuersport hier aber nur einen Bruchteil. Von Paragliding über Wildwasser Rafting bis hin zum Nationalsport Teco kann man hier alles machen. Und wir machten (fast) alles.

Auch die Stadt an sich war wieder super. Keine Touristen-Kruschd-Läden, dafür lokale Märkte, Bars und viel gute Laune auf dem Plaza Principal. Ein Stückchen weiter mit dem Bus fanden wir zudem die wunderschönen alten Dörfer Barichara und Guane, wo die Zeit still zu stehen scheint.

Der Camino Real, ein Wanderweg in der Nähe von San Gil. Zwischen Barichara und Guane.
Das wunderschöne Dorf Barichara
Und nochmal Barichara
Chicamocha Canyon

Über den Wolken

…muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wie ein Vogel fühlt man sich, wenn man mit dem Gleiter auf den Abhang des Chicamocha-Canyons zuläuft, die Füße die Erde verlassen, aber man nicht fällt… und stattdessen auf einmal anfängt zu fliegen. Immer höher ging es, der Thermik folgend, die auch die heimischen Vögel nutzen um aufzusteigen. Fast eine halbe Stunde kreisten wir über der tiefen Schluchten des Canyons, bis wir wieder Boden unter den Füßen hatten.

Paragliding stand schon seit Jahren auf unserer Todo-Liste und es hat sich gelohnt auf einen so schönen Ort zu warten, wie diesen Canyon.

Wir heben ab

Tejo Tuesday

Tejo ist ein Sport, den sich wirklich nur ein Volk wie die Kolumbianer ausdenken können. Tejo ist explosiv, laut und man spielt es mit Freunden und viel Bier.

Die Regeln sind einfach: Jeder bekommt einen Tejo in die Hand (eine Art flaches, schweres Eisenstück) und abwechselnd wirft man den Tejo dann von ca. 20 Metern Entfernung in ein Zielfeld. Das Zielfeld besteht aus klebriger Knete in der der Tejo stecken bleibt. Wessen Tejo der Mitte des Feldes am nächsten ist, bekommt einen Punkt. Um das Ganze spannender zu gestalten, liegen nahe der Mitte mit Sprengstoff gefüllte Beutel. Wer den Beutel trifft, bekommt sofort 3 Punkte, einen wahnsinnig lauten Knall und etwas Feuer. Ine hat es tatsächlich geschafft, eine Explosion zu werfen! Wuhuu 🙂

Das Spielfeld
Getroffen!! (Fast)

Die Stromschnellen des Rio Suárez

Wildwasser Rafting Stufe 5… “So schwierig kann das ja nicht sein, wenn die da jeden Tag Touristen mitnehmen“.

Was wir vorher nicht wussten: Rio Suárez ist berüchtigt und überhaupt ist Wildwasser der Stufe 5 die höchste Stufe die man mit einem Boot fahren kann. Zudem war Regenzeit und der Fluss wilder denn je. Also los!

Eine Stunde lang dauerte die Sicherheitseinweisung und danach waren sich einige der Gruppe nicht mehr so sicher, ob sie wirklich in dieses Schlauchboot steigen sollten. Aber die Guides überzeugten alle.

10 Minuten später kenterte das erste Boot. Alles Freunde aus unserem Hostel. Die tosenden Strudel und Wellen erwischten das Boot frontal und wirbelten es mitsamt Besatzung ein paar Meter vor uns durch die Luft. Wir ruderten wie die Bekloppten durch die sprudelten Wassermassen, an den Felsen vorbei, immer den Anweisungen des Guides folgend, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden. Irgendwann, als das Wasser wieder ruhiger wurde, sahen wir unsere Freunde: einige versuchten an Land zu schwimmen, andere wurden von uns und anderen Booten eingesammelt.

Das Mädchen das wir retteten war kreidebleich und dachte, dass es das jetzt war. Aber macht ja nix!! Kann passieren! Weiter geht’s! Wir konnten hier, selbst wenn wir wollten, nicht aus dem Fluss raus, wir mussten noch mindestens eine Stunde durch weitere Stromschnellen paddeln.

Jedes der vier Boote kenterte im Laufe der nächsten Stunde… Jedes bis auf unseres – weil wir sehr gut sind! Wir erfuhren somit aber auch nicht, wie es ist, dem Tod durch Ertrinken ins Auge zu blicken, von dem und alle anderen Gruppen erzählten 🙂

Die Wassermassen schauen auf dem Bild nicht ansatzweise so krass aus, wie in Echt
Survive-High-Five

Aber im Ernst: das war die absolut krasseste Extremsport-Erfahrung, die wir bisher gemacht haben. Ich kann mich nicht daran erinnern jemals bei einem Sport so viel Adrenalin im Blut gehabt zu haben. Und wir würden sofort wieder in dieses Boot steigen! Ich würde auch das Doppelte zahlen!!

Die Kommentare sind geschlossen.