Narcos

Narcos

Unsere letzte Station in Peru war Lima. Dazu möchte ich mich kurz halten. Ein anderer Traveller hat mir folgende Frage gestellt: “Hey! Did you like Lima?”. Meine Antwort: “No!”.

Blick die Steilküste von Lima hinunter

Wieso ich so hart mit Lima bin, weiß ich nicht. Eigentlich hatten wir eine gute Zeit dort. Ine fand Lima auch gar nicht so schlimm, aber für mich persönlich war es eine graue, recht uninteressante Stadt. Das Wetter war trüb und man sah teilweise nicht mal die Spitzen der Wolkenkratzer. Für Surfer ist Lima sicherlich ein Paradies, aber für uns war es jetzt wirklich wieder an der Zeit für einen Klimawechsel. Keine Lust mehr auf Steppen und Wüstenklima! AUF NACH KOLUMBIEN!

Die Stadt des ewigen Frühlings

Medellín… Schon als wir den ersten Fuß in diese Stadt setzten, war uns klar, dass wir uns hier wohlfühlen werden. Und ja, Medellín ist eine unserer absoluten Lieblingsstädte in Südamerika. Seit langem mal wieder hatten wir das Gefühl, zu wenig Zeit für einen Ort eingeplant zu haben. Ich glaube wir hätten noch Wochen in Medellin verbringen können (da auch unser Hostel einfach Spitze war) und wir sind uns sicher: Hierher kommen wir in der Zukunft mal wieder zurück.

Großes Nichtstun auf einem Marktplatz (Ein Einheimischer erklärte uns: Die machen wirklich NICHTS!)
Ganz normales Stadtbild
Im Stadtteil Poblado ist Party angesagt!
Katze

Es ist unglaublich wie sich diese Stadt gewandelt hat. Vor noch ungefähr 15 Jahren galt Medellin als gefährlichste Stadt der Welt, beherrscht von Drogenkartellen und dem Paramilitär. Vor allem bis Mitte der 90er Jahre, in denen der Drogenboss Pablo Escobar und das Medellín-Kartell die Stadt fest im Griff hatten, traute sich nicht einmal die Polizei in bestimmte Stadtteile. Nach Escobars Tod 1993 verlor das Medellín-Kartell aber an Einfluss und auch das konkurrierende Cali-Kartell wurde bald darauf zerschlagen. Es ist nicht so, dass die Probleme dann aufhörten, aber dennoch war es ein Wendepunkt in der Geschichte der Stadt und ganz Kolumbiens.

Pablo Escobar protzte zu seiner Zeit mit luxuriösen Anwesen, teuren Autos und schönen Frauen. Die neue Generation der Drogenbosse versucht jedoch unter dem Radar zu bleiben. Sie sourcen ihr kriminelles Geschäft sozusagen aus.

Dann waren da noch die Guerilla Truppen der FARC… Die FARC kämpfte mit großer Gewalt gegen das kolumbianische Militär und gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwischen den Menschen in Kolumbien. Um Geld für Waffen zu bekommen, entführten sie Menschen oder betrieben Drogenhandel.

Im Endeffekt betrieben drei große Gruppen Krieg gegeneinander: Die Polizei / die Streiträfte Kolumbiens, das Paramilitär und die FARC. Die Drogenmafia ist dabei keine eigenständige Partei, sondern mit einer oder mehreren der obigen Gruppen verbündet. Für mehr Info, müsste ich das ganze Durcheinander erst auch nochmals länger studieren 😉

Seit dem Friedensvertrag mit FARC 2016 ist die kolumbianische Unterwelt auf jeden Fall heftig in Bewegung geraten und verschiedene Gruppen kämpfen seither um den lukrativen Kokain-Markt.

Die Statistik berichtet von mehr als 45.000 Tötungsdelikten in Medellin im Zeitraum 1990–1999. Erst nachdem Paramilitärische Milizen vertrieben und Ende 2003 entwaffnet wurden sank die Mordrate drastisch von 6.658 Fällen (1991) auf 778 Fälle (2004) und lag somit unter dem Durchschnitt anderer lateinamerikanischer Großstädte. Medellín erreichte seinen niedrigsten Stand der Mordrate im August 2007.

Wikipedia

Und heute? 2011 wurde Medellín zur “innovativsten Stadt Südamerikas” gekrönt. In ganz Medellín ist es spürbar, wie stolz die Menschen auf ihre Stadt sind. Stolz darauf, sich von der gefährlichsten Stadt der Welt zu einem, wie uns ein Taxifahrer sagte, “Paradies zum Leben” gewandelt zu haben. Medellin ist sogar die einzige Stadt in Kolumbien mit einem Metro-System. Mit stolzgeschwellter Brust erzählte uns ein lokaler Guide, wie er als Kind den Bau der Metro verfolgt hat und was für ein Symbol die Metro für die Leute hier ist: Ein Symbol des Wandels! Keiner würde auch nur auf die Idee kommen die Metro oder die Stationen mit Graffiti zu beschmutzen, nicht einmal gegessen oder getrunken wird in den Wägen, um sie sauber zu halten. Der alte Herr Williams (Ein Passant der zufällig vorbei kam :D) erzählte uns davon, wie noch vor 20 Jahren Bomben von den Häuserdächern regneten und Flugzeuge über der Stadt abgeschossen wurden und wie toll er es findet, dass jetzt so viele Ausländer ohne Angst herkommen, um die Stadt und ihre Menschen kennenzulernen. Und ja, es lohnt sich! Die Herzlichkeit der Menschen Medellins übertrifft alles, was wir bisher in Südamerika kennengelernt hatten. Und sehr redselig sind sie, die Kolumbianer 🙂

Denkmal: Links ein zerbombter Vogel und rechts der neue Vogel nach dem Motto: “Was ihr zerstört, bauen wir größer und besser wieder auf!”
Eine nicht so reiche Gegend von der Seilbahn aus betrachtet (Jap, eine Seilbahn haben sie auch).

Ein wenig Vorsicht sollte man trotzdem walten lassen. Wir haben uns bspw. im riesigen Parque Arvi am Rande der Stadt (quasi im Wald) verlaufen und erst danach gehört, dass genau dort zwei Tage zuvor Touristen mit Waffen bedroht und ausgeraubt wurden. Wir allerdings haben nur hilfsbereite Kolumbianer getroffen, die uns den Weg aus dem Wald gezeigt haben – Dabei hatte Ine schon angefangen, mit Ästen Pfeile auf den Boden zu legen, um nicht im Kreis zu laufen. Vielleicht liegt es daran, dass ich alle Leute nur noch mit “Amigo” anrede.

Ine traut meinen Navigationskünsten nicht
Aber hey: Don’t panic!

Guatapé

Guatapé ist ein winziges Städtchen, zwei Stunden von Medellin entfernt. In Laufweite liegt der Piedra del Peñol, ein hochaufragender Granitfels inmitten von Seen und palmengesäumter Landschaften. Mit einem kleinen Bus machten wir uns morgens ab Medellin auf den Weg. Schon die Hinfahrt war ein absolutes Highlight. Alle 5 Minuten hielten wir an, um irgendwelche Leute am Wegesrand einzuladen/auszuladen. Ab und zu war einer davon ein Rapper oder Reggae-Sänger, der kurz seine Show im Bus zum Besten gab und dann Geld sammelte. Ich wünschte, ich hätte den Reggae-Typen gefilmt, denn er war wirklich gut und hätte die Chance zu einer Youtube-Berühmtheit 🙂

Wir ließen uns kurz nach der Stadt El Peñol absetzen und liefen den Weg zum Granitfelsen hinauf. Am Fuße des Felsens erwarteten uns fast 700 Treppenstufen, die in den Berg gehauen wurden und hinauf an die Spitze führen. Oben angekommen hatten wir einen grandiosen Ausblick. Der Anblick der satten grünen Felder und der kleinen Inseln in der von Seen zerfressenen Landschaft war nach den teilweise kargen Landschaften der letzten Wochen eine Wohltat.

Oben gab es dann noch ein Mangobier mit Salz, die größte Vergewaltigung von Bier, die man sich vorstellen kann.

Es grünt so grün!
Da hoch?!
Geschafft! Es lohnt sich und wir sind ja mittlerweile fit!!
Die Belohnung schmeckte aber gar nicht mal so gut wie gedacht.

Vom Granitfelsen aus ging es dann wieder die Treppenstufen nach unten und von dort aus liefen wir die Straße entlang bis zum Dörfchen Guatapé. Dieser Ort ist bekannt für seine bunten Häuschen. Jedes Haus ist dabei ein eigenes kleines Kunstwerk und die Malereien (Zocalos) zeigen entweder das Handwerk das im Geschäft des Hauses durchgeführt wird oder andere Dinge wie den Lieblings-Hund oder die Vorlieben des Besitzers. Wir schlenderten einige Stunden durch die Straßen, tranken kolumbianischen Kaffee, aßen Maisfladen und Reis mit Kochbananen.

Bunter Platz im Dörfchen Guatapé
Zacalos: Im Haus rechts mag man z.B. Pferde und die in der Mitte haben wohl (vielleicht) Hunde.
Tuk-Tuks gibt’s auch wieder

Auf der Rückfahrt das gleiche Spiel wie bei der Hinfahrt! Der Bus wurde voller und voller je weiter wir fuhren. Als der Bus dann irgendwann fast überquoll von Travellern, Einheimischen, Verkäufern und Musikern schrie einer davon: “That is Colombia! Bienvenidos!!!“.

Danke! Mehr davon!! Viva Colombia!

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