Dschungelcamp – Holt uns hier raus!

Dschungelcamp – Holt uns hier raus!

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht der größte Freund des Dschungels bin. Vor allem nicht, seid ich damals in Thailand eine Begegnung mit einer riesigen Spinne hatte, die fast mein Gesicht gegessen hätte (Ine meint ich übertreibe und dramatisiere mal wieder, aber das ist ist die Wahrheit!). Da wir aber dem Amazonas so nahe waren wie noch nie und der Manu Nationalpark in Peru als ein Gebiet im Regenwald mit riesiger Artenvielfalt bekannt ist, dachten wir uns: “Wieso nicht?! Pumas und Jaguare können auch nicht schlimmer sein als Riesenspinnen.” (Spoiler: Wir trafen weder Puma noch Jaguar)

Los ging es in aller früh, als uns der Minibus in Cusco abholte. Die Gruppe war wieder mal bunt gemischt: Italiener, Engländer, Franzosen und eingebürgerte Peruaner waren mit dabei. Zunächst ging es die Anden nach oben. Sobald wir die Spitze erreicht hatten, ging es in Richtung Landesinnere (also Blickrichtung nach Brasilien) 4000 Meter bergab, hinunter in ein grünes Meer an Bäumen, durchzogen von etlichen Flussläufen, die alle irgendwann in den mächtigen Amazonas münden.

Der Blick vom Wolkenwald nach unten: Tausende von Kilometern nur Dschungel

Der Wald über dem Regenwald wird Wolkenwald genannt… macht irgendwie Sinn, denn dort sammeln sich all die Wolken, die sich dann über dem Regenwald abregnen. Je weiter wir die windigen Schotterstraßen durch den Wolkenwald nach unten fuhren, desto schwüler wurde es und die Vegetation änderte sich nach und nach. Wir verließen einige Male den Van, um Strecken per Fuß zurückzulegen, trafen auf Affen, seltsame Vögel und bunte Pflanzen am Wegesrand. Unser Guide Simon war wirklich ein Profi wenn es darum ging, Spuren und Geräusche zu deuten. Er ist im Regenwald aufgewachsen und weiß so Einiges über Flora und Fauna.

Haaaaloooooo
Kapuzineraffe am Wegesrand
Das Wappentier Perus: Cock of the Rock

Irgendwann ging es dann auch mit dem Van nicht mehr weiter und wir mussten in ein Boot umsteigen, welches uns in die Regenwald-Lodge brachte. Die Lodge bestand aus einigen Bambushütten in denen wir die folgenden Nächte verbrachten: Dschungelfeeling pur! Nur die Bambus-Wand und unsere Moskitonetze trennten uns von der Dschungelwelt, die nachts einen ohrenbetäubenden Lärm veranstaltet. Vor allem die kleinen Zikaden geben wunderbare Konzerte zum Besten.

Simon: king of the jungle
Unser Zimmer

Zwei Tage lang marschierten wir daraufhin ausgehend von unserer Lodge durch den Dschungel. Teilweise schlugen wir uns sieben bis acht Stunden lang durch die dichte Vegetation, um Affen, Schlangen, Spinnen, Vögel und allerlei anderes Getier zu beobachten. Immer wieder regnete es aus Kübeln, es war feucht, schwül und erbarmungslos heiß. Wir trugen meistens lange Kleidung, um uns u.A. vor Moskitos zu schützen sowie Gummistiefel, da der Untergrund meist nicht mehr war als Schlamm. Zudem ist so ziemlich jede zweite Pflanze giftig und der Kontakt löst heftige Reaktionen auf der Haut aus (oder die Pflanze hat wundersame Heilkräfte, also 50:50 Chance!). Auch Frösche, Spinnen, Schlangen, ja sogar Raupen geben betäubende oder tödliche Gifte ab.

Es grünt so grün und wir sind mittendrin
Nicht nur Stock und Stein, sondern Matsch und Modder
Schaut mich an!! Schaut mich aaaan!!!! Ich bin ein Palmhuhn!
Einige Seen haben sich im Amazonasbecken gebildet, die mit klapprigen Floßen überquert werden
Ein muskulöser Wool-Monkey
Immer schööön laaangsaaaam

Auch Nachts machten wir Exkursionen, um die Geschöpfe der Finsternis aufzuspüren, die sich tagsüber vor uns versteckten. Glücklicherweise sind die meisten Spinnen im Amazonas so groß, dass sie eher in Höhlen oder in Bäumen leben und nicht, wie in Asien, riesige Netze auf Kopfhöhe weben. So hatte ich diesmal mit meiner Größe keine Probleme mit Spinnennetzen im Gesicht. Der Guide gab sich aber auch alle Mühe, mit seiner Machete den Weg zu ebnen. Eine Situation brachte die Gruppe dann tief in der Nacht aber doch zum Schwitzen: Ein Brüllen von einem Jaguar war zu hören und die Affen in den Bäumen gaben ein warnendes Kreischen von sich. Laut Simon waren wir einen Kilometer von dem Platz entfernt, an dem der Jaguar auf frisches Affenfleisch aus war. Er gab uns die Wahl: Umkehren oder Jaguar suchen?! Die Wahl fiel auf Umkehren 🙂

Baumfrosch in der Nacht
Ein widerlicher Geselle – eine Skorpionsspinne
Nightowl: Erkennt ihr das Schlangenmuster auf seinen Flügeln?

Der Amazonas ist genau so wunderschön wie man ihn sich vorstellt: Papageien und Tukane fliegen und Affen hangeln sich über deinen Kopf hinweg, abertausende verschiedene Pflanzen kämpfen um den besten Platz am Licht, morgens hängt schwerer Nebel zwischen den noch nassen Palmen und mittags zwingt die Hitze das gesamte Tierreich zur Siesta. Und trotzdem waren wir beide froh, als wir wieder draußen waren, denn der Dschungel ist zwar ein guter Platz für Tiere und Pflanzen, aber der Mensch hat hier eigentlich nichts zu suchen 🙂  Dabei leben in dem Teil des Amazonasbeckens in dem wir unterwegs waren tatsächlich noch indigene Stämme ohne Kontakt zur Außenwelt (uncontacted people). Simon erzählte uns, dass er manchmal tiefer im Dschungel auf nackte Menschen trifft, dass er aber nicht versuchen würde, den Kontakt zu ihnen zu suchen.

Neue Freunde aus dem Busch
Captain Sash… harrharr
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