Loco loco Bolivia

Loco loco Bolivia

Bolivien ist so wie man sich Südamerika vorstellt: quirlige Städte, verrückte Märkte, Essen auf der Straße, traditionelle Trachten und Feste an jeder Ecke. Allgegenwärtiges Chaos und die sehr netten und geduldigen Menschen runden das Bild ab.

Wir haben keine Ahnung was da ständig gefeiert wird
Manchen ist aber auch langweilig zwischen den Schweinsköpfen
Tradition wird großgeschrieben: eine Cholita

Man muss Bolivien wirklich ein Kompliment machen: man fällt hier wegen der fast komplett indigenen Bevölkerung als Tourist schon wieder mehr auf als noch in Chile oder Argentinien, aber trotzdem wird man (anders als z.B. in Asien) nicht als wandelnder Geldbeutel betrachtet. Man wird nicht missgünstig beäugt und nicht jeder Händler an der Straßenecke will dir sofort seinen Krempel auf’s Auge drücken. Das Reisen ist diesbezüglich wirklich sehr angenehm. Jetzt kommt das große “ABER”: kaputte, unasphaltierte Straßen, welche von klapprigen Linienbussen befahren werden, die in der Regenzeit auch gerne mal mitsamt der Straße die Anden runterrutschen, machen das Ganze wieder komplizierter. Man muss sich die Strecken und die Busse wirklich genau anschauen, um keine 10 Stunden am Rande des Herzinfarkts zu verbringen. Aus diesem Grund sitzen wir jetzt gerade in Sucre am Flughafen und warten auf den Flieger nach La Paz. Denn ab Sucre gibt es nur Nachtbusse nach La Paz, es regnet seit Tagen und den Bussen in denen wir bisher saßen trauen wir einfach keine 15 Stunden Nachtfahrt über die Anden zu 🙂

Die reichste Stadt der Welt

Ich spule wie so oft einige Tage zurück! Nachdem wir unsere Tour in Uyuni beendet hatten, hüpften wir direkt in den nächsten Bus in Richtung Potosi. Einen wirklichen Busbahnhof gab es nicht, aber schreiende Damen in den Straßen kündigten die nächsten Busse in nahegelegene Städte an und verkauften direkt Tickets. Gutes System… wieso auch nicht.

Mittlerweile haben wir uns an die Höhen gewöhnt. Das ist auch gut so, denn Potosi ist die höchstgelegene Großstadt der Welt! Auf einer Höhe von 4070 Metern ragt die ehemals reichste Stadt der Welt empor. Ja richtig, die höchste und reichste Stadt – Aber die Tage des Wohlstands sind längst vorbei. Als die Spanier auf der Suche nach “El Dorado” waren, der goldenen Stadt, fanden sie zwar kein Gold, jedoch gigantische Silbervorkommen im Cerro Riko (reicher Berg). Dort, am Rande des Berges, gründeten sie Potosi, die silberne Stadt. Herrenhäuser, Kirchen und prächtige Gebäude zeugen von der ehemaligen Herrlichkeit Potosis. Die erste Währung der Welt (natürlich aus Silber) wurde dort geprägt und somit ist Potosi sozusagen die Wiege des Kapitalismus’ 😉

Casa de moneda: hier wurde die erste Währung der Welt gepresst
Blick zum Cerro Riko
Marktplatz Potosí

Heute sind die Bedingungen für die Arbeiter im Bergwerk des Cerro Riko katastrophal. Stellt euch vor auf 4000 Meter Höhe wiederum metertief in der Erde fast ohne Sauerstoff in engen Stollen herumzukriechen. Ständig werden völlig unkontrolliert neue Stollen mit einfachen Dynamitstangen in den Cerro Rico gesprengt (teilweise von Kindern, die dort ebenfalls nach Silber suchen). Quarz- und Asbestdämpfe dringen in die Lungen. Statiker warnen davor, dass der ganze Berg in wenigen Jahren völlig kollabieren könnte. Es gab tatsächlich Touren durch diese aktive Mine, aber wir sparten uns diese Grenzerfahrung. Andere Traveller die aus den Minen kamen, hatten Lungenprobleme oder waren teiltraumatisiert :)) Man muss halt auch nicht alles machen!

Die Hauptstadt Sucre

Von Potosi aus ging es nach Sucre, die Hauptstadt Boliviens. Wir dachten bisher es ist La Paz… Stimmt aber nicht, trotz dass in La Paz die ganzen Verwaltungssitze liegen.

Auf jeden Fall ist Sucre eine wunderbare Stadt. Wie so oft fanden wir viele Kolonialbauten, traditionelle Märkte, gewundene Straßen und… Baustellen… Ja, abseits des Zentrums ist jede bolivianische Stadt eine einzige bewohnte Baustelle. Man kann sich das kaum vorstellen: sobald auch nur die Grundmauer steht, ziehen die Familien in ihre Häuser ein. Manchmal werden auch neue Häuser um das alte Haus herum aufgebaut und dann das alte Haus im neuen Haus drin abgerissen… What?!?! Kinder spielen in Matsch, Mörtel und Modder vor den Ziegelwänden und selbst wenn das Haus dann soweit fertig ist, werden die Wände nicht verputzt. Wieso auch, man kann ja jetzt drin wohnen, wird nicht mehr nass und wie das ganze Konstrukt aussieht ist vollkommen egal. Deshalb sind alle bolivianischen Vorstädte wirklich nicht hübsch.

Typische Vorstadt

Aber Sucre hatte natürlich weit mehr zu bieten als Baustellen 🙂 Wir besichtigten zum Beispiel eine der größten bisher gefundene Ebenen mit Dinosaurier-Fußspuren. Ein großer Park mit Plastikdinos wurde hierum aufgebaut. Herrlich 😀

Plastikdino vor Fabrik
Tadaaaa. Fußspuren eines “Langhals”

Zudem absolvierten wir einen Kochkurs, lernten wie man die traditionelle Erdnusssuppe “sopa de maní” kocht, waren im Kino und haben “Dumbo” auf spanisch geschaut und haben frittiertes Hühnchen auf dem Markt gegessen.

Beim schnibbeln
Sopa de maní
Später rächte sich das Hühnchen noch…

In Sucre wird einfach gelebt, es ist kein hergerichtetes Touristenmekka, kein Häkchen auf der “Must Do Liste”, sondern einfach eine normale bolivianische Stadt. Und das machte den Aufenthalt so schön.

Sucre von oben
Ine vor einem der prächtigen Gebäude
Nicht Ine vor einem nicht so prächtigen Gebäude
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