Noch auf der Erde?

Noch auf der Erde?

Am Dienstag in aller Früh ging es endlich los Richtung Bolivien. Es wurde auch wirklich Zeit, denn noch eine Nacht in San Pedro de Atacama hätte ich nicht ausgehalten 🙂

Zuerst wurden wir mit einem Minibus zur bolivianischen Grenze kutschiert, wo wir dann mit allen anderen Grenzübergängern in der klirrenden Kälte (-8 Grad) warteten bis das Grenzhaus öffnete. Man merkte schon hier, dass wir jetzt Bolivien betreten: Das Grenzhaus war eine Lehmziegelhütte und die Formalitäten quasi nicht vorhanden. Stempel in den Pass und los geht’s!

Waiting for bolivia

Nach kurzer Zeit kam auch schon unser Fahrer Micael oder “Magic Mike” mit seinem 4×4 Toyota Landcruiser an. Wohl eines der wenigen Fahrzeuge was die kommenden 3 Tage heil überstehen kann und gleichzeitig so wenig Technik enthält, dass die salzige Erde diese nicht innerhalb von Wochen wegkorrodiert. Wir witzelten, dass Toyota dieses Fahrzeug ausschließlich hier her exportiert.

Schon hier oben am Grenzhaus waren wir völlig abgeschnitten von jeglicher Zivilisation. Straßen? Fehlanzeige! Los ging’s über Stock und Stein.

Mike lädt auf

Unsere Gruppe bestand aus zwei Engländern, einer Holländerin und einer Kanadierin. Mike konnte auch recht gut Englisch, was die Fahrt schon von Anfang an zu einem Vergnügen machte. Wir redeten viel, stoppten an fantastischen Plätzen und waren uns einig, dass die meisten davon nicht von dieser Welt sein konnten…

Geysir-Felder hatten wir ja zum Beispiel jetzt schon einige gesehen, aber dieses setzte nochmal einen drauf. Völlig unberührt vom Menschen, ohne Absperrungen oder Kassenhaus blubberte und kochte die Erde unter uns. Meterhoch spritzte der heiße Schlamm, kochendes schwefeliges Wasser riss tiefe Löcher in den Boden und dicker Dampf drückte sich aus jeder Pore des Gesteins. Japanische Touristen die das Ganze für Disney Land halten, mögen die kochenden Schlunde scheinbar am liebsten. Mike erzählte uns, dass erst vor ein paar Wochen wieder jemand bei lebendigem Leib von den Kratern gekocht wurde.

Einige der Tümpel sind aber nur badewasserwarm und so konnten wir uns zum Mittag auf 5000 Meter Höhe in den Hot Pools entspannen. Mike kochte derweil Kartoffelbrei und Lama-Fleisch für uns.

Über Stock und Stein
Lagunen und Vulkane
Krater des Geysirfelds
Ein wenig Yoga an einem sicheren Platz
Grandiose Landschaften wohin man blickte

Gestärkt besuchten wir etwas später die Laguna Colorada. Kupferhaltige Mineralien und Algen sind für die rote Farbe des Wassers verantwortlich. Hinter grauen Felsen und sattem grünes Moos lag die rot schillernde Lagune in denen sich die vielen Vulkane am Horizont spiegelten. Ablagerungen von schneeweißem Borax trieben wie Sahnehäubchen in der Lagune. Hier leben tausende Flamingos – sie fressen das Plankton der Lagune, weshalb sie ihre rosige Farbe erhalten.

Dieser fantastische Ort war wohl sogar schon einmal für die Liste der neuen Weltwunder nominiert – zurecht!

Die rote Lagune …
… mit ihren Bewohnern

Die erste Nacht verbrachten wir in einer schäbigen Baracke/Baustelle(?) mitten im Altiplano. Das Zimmer sah aus wie ein Kellerverlies aus einem Horrorfilm und die alten Betten waren durchgelegen. Ein Fenster vom Schlafsaal hinaus zum Speisesaal ließ uns an den bolivianischen Architekten zweifeln. Dusche und Klo auf dem Gang waren weder blickdicht noch abschließbar. Warmes Wasser (oder überhaupt Wasser) war Glückssache. Spätestens jetzt wurde uns klar, dass wir uns hier in Bolivien auf andere Arten von Unterkünften einstellen müssen.

Unser wunderbares Hostel

Der zweite Tag stand in Zeichen der Felsen. Berge, rote Hügel und Geröll wohin das Auge reichte. Und weiterhin keine wirkliche Straße in Sicht – lediglich die Spuren der vielen Landcruiser, die vor uns hier einmal durchkamen. Aber Magic Mike kannte den Weg und manövrierte uns sicher durch die karge Landschaft. Uns kamen Nandus, Vicuñas, Füchse und Vizcachas (so eine Art Chinchilla?!) entgegen. Der Höhepunkt von Tag 2 war die Lamaherde inmitten einer grünen Oase zwischen den roten Bergen. Außer uns und den Lamas war hier niemand und so konnten wir uns ganz in Ruhe unter ihnen bewegen und ihren fabulösen Schmuck betrachten. Ja, die meisten Lamas waren geschmückt. Einige trugen Ohrpuschel und andere eine Art Krawatte. Dass die Einheimischen die Lamas so verzieren hat wohl etwas mit der Verehrung des Tieres zu tun. Sieht auf jeden Fall zum totlachen aus.

Felsklettereien
Und wieder so ein Wüstenfuchs
Die “Straßen” durch die Pampa
Oase im Nirgendwo
Haben sie nicht schöne Krawatten?

Nach einer kurzen Nacht in Uyuni-Stadt folgte das Highlight der Tour, die 120km² große Salzebene Salar de Uyuni. Hier verschwimmen die Gesetze der Realität: in den trockenen Regionen ist das Auge durch die immergleiche weiße Ebene nicht mehr in der Lage Entfernungen richtig abzuschätzen, weshalb sich mit einfachsten Mitteln tolle visuelle Effekte kreieren lassen. Objekte die weit entfernt stehen wirken kleiner und nahe Objekte wirken größer. Teile der Salzebene standen zudem noch von der Regenzeit unter Wasser. In diesen Regionen wirkt der nur wenige Zentimeter hohe Wasserfilm auf dem Salz wie ein gigantischer Spiegel, der das gesamte Firmament auf dem Boden einfängt. Der Sonnenaufgang in der Salzwüste gehört damit zu einem der beeindruckensten Naturwundern, die wir bisher gesehen haben. Als würde man in einem Himmelreich schweben, in dem es kein Oben und kein Unten gibt. Um also die Eingangsfrage zu beantworten, ob wir hier noch auf der Erde sind…. ja schon, obwohl wir es kaum glauben können!

Sonnenaufgang im Salar de Uyuni
Ine und Auto allein auf weiter Flur
the wizard
Mega-Ine is coming
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