Gestrandet in Atacama

Gestrandet in Atacama

In der Atacama Wüste herrscht eine Luftfeuchtigkeit von unter 10%. Jeder Atemzug trocknet Mund und Lunge aus. Zudem befinden wir uns in San Pedro de Atacama auf knapp 2500 Meter Höhe, was jede Bewegung nochmals anstrengender macht. Tagsüber sengende Hitze, nachts kühlt es deutlich ab. Jetzt sind wir wirklich in der Wüste. Die Tage zuvor waren nur ein Vorgeschmack.

Was für ein wunderbarer Ort, um sich mal wieder eine Grippe einzufangen!

Hauptstraße in San Pedro de Atacama am morgen (und noch frei von Touri-Massen)
Blick über die Stadt, im Hintergrund ein 6000 Meter hoher Vulkan

Die Wüstengrippen-Epidemie

Zuerst hat es Ine mit einer Erkältung erwischt. Damit wäre ihr bei der Busfahrt über die Anden fast der Kopf explodiert. Sie bat mich zu schreiben, dass sie das trotzdem ohne zu nörgeln hinnahm. Sie kurierte sich in den ersten Tagen in San Pedro de Atacama aus und machte etwas langsamer.

Ich suchte derweil nach Action und ging auf einen Fullmoon-Sandboarding Ausflug. Wir fuhren in der Nacht zu einer ca. 30-40 Meter hohen Düne im Tal des Todes (wirklich einladender Name). Ein DJ hatte sich bereits zwischen einigen Felsen platziert und gab ziemlich guten Trance zum Besten. Wir schnallten uns Snowboard-Boots an, schleppten die Boards mehrmals die Düne hinauf und sausten wieder hinab. Ich merkte, dass ich mich gar nicht so dumm anstellte und beschloss zuhause endlich mal Snowboarden zu gehen.

Vom Vollmond erleuchtet sah die Landschaft aus wie der Mond selbst. Kein künstliches Licht war zugegen. Kilometerweit grau leuchtender Sand, Krater und irre Felsformationen. Es schien wirklich so, als würde man im Weltall auf einem Mondkrater Snowboard fahren, begleitet von beschwingter Musik. Abgefahren!! Gänsehaut pur!! Aber noch mehr Gänsehaut, weil es nachts in der Wüste dann doch sehr kalt wird. Die Anstrengung in der Höhe und die Kälte zwang dann wohl auch mein Immunsystem in die Knie…

[Quelle: “sandboardsanpedro.com”], ich hatte keinen Foto mit dabei…
Am nächsten morgen merkte ich schon, dass mir alles weh tat, aber wir wollten unbedingt bei Tag ins ‘Valle de la Luna’ radeln. Man hatte uns das empfohlen… Sollte man euch jemals empfehlen mit dem Fahrrad durch die Wüste zu radeln: einfach weglaufen! Blöde Idee! Untrainiert, übermüdet und halb krank ging es also los. Nach 15km waren wir so ziemlich mitten drin in der brütenden Hitze. Kein Schatten weit und breit. Staubige, dörre Luft. Wir hatten zwar genug Wasser dabei, aber mein Körper fing jetzt an zu streiken. Nach ein paar Kilometern mehr war dann Feierabend: wir müssen umkehren. Der Weg zurück war leider nicht einfacher und so stoppte Ine einen Pick-up in dem zufällig ein Pärchen saß, dem wir immer mal wieder begegneten. Das Glück ist mit den Dummen :)) Also hieften wir die Räder (und Ine) auf die Ladefläche und ab ging es zurück in die Stadt.

Auf in Richtung Mondtal
Durch den Sand die Hügel nach oben
Weit und breit keine Vegetation mehr
Am höchsten Punkt des Tals… und dann war’s vorbei 😀
Weg damit! Irgendjemand möge uns bitte einsammeln!!
Gerettet! Ine sichert hinten auf der Ladefläche die Räder

Meine Erkältung wurde zu einer ausgewachsenen Männergrippe, weshalb wir jetzt ein paar Tage länger hier festsitzen und nicht nach Uyuni weiter können. Denn der Weg in die Salzebene Boliviens führt uns 3 Tage lang im Jeep über Hochebenen mit Höhen von bis zu 5000 Metern. Es ist davon abzuraten, diesen Trip mit zugeschwollener Nase zu machen. Da könnten die mich auch gleich beim Start an die Sauerstoffflasche hängen. An dieser Stelle bat mich Ine zu schreiben, dass MEINE Erkrankung mit sehr viel mehr Genörgel und Tamtam ablief als ihre. Ich kann das nicht bestätigen (Männergrippe eben – schrecklich).

Ich hütete jetzt also das Bett während Ine nun ihren eigenen Ausflug machte. Wir wechseln uns hier ganz gut ab.

Morgens um 3.55 Uhr klingelte der Wecker. Während ich mich nochmal umdrehte, zog Ine sämtliche Klamotten an, die sie besaß. Denn der Ausflug ging zu den El Tatio Geysiren auf 4300 Metern mit Temperaturen weit unter Null. Die berauschende Kulisse der speienden Geysire bei Sonnenaufgang, der Blick auf schneebedeckte Vulkane und ein Open-Air-Frühstück direkt am Geysir-Feld entschädigten aber für die Kälte und das frühe Aufstehen. Unter der Morgensonne erwachte auch die Tierwelt: Flamingos badeten in Lagunen in denen sich die Berge spiegelten, Wüstenfüchse suchten am Straßenrand nach Nahrung und eine Herde Lamas galoppierte vorbei. Fantastisch!

Die Erde dampft und brodelt (Erinnert an Rotorua – Neuseeland)
Bloß nicht hinter die Absperrung treten
Schillernde Farben
Lama-Herde beim Abgang

Nachtrag: in einem der letzten Einträge behauptete ich Lamas gesehen zu haben. Das Tier bei den Quilmes Ruinen war aber eher ein Vicuña. Für den Laien schwer zu unterscheiden 🙂

Die Kommentare sind geschlossen.