Endlich mal wieder ein Roadtrip

Endlich mal wieder ein Roadtrip

Wir haben jetzt fast ganz Argentinien von Ost nach West durchquert und sind nun in Salta angekommen – Einer der trockensten Zipfel der Erde (Spoiler: Es wird noch viel trockener). Die Provinz Salta grenzt direkt an die Provinzen Jujuy und Tucumán. Allesamt liegen an den Ausläufern der Anden. Hier gibt es spektakuläre Bergpanoramen, wüstenartige Hochebenen, großartige Weinanbaugebiete und verlassene Savannen zu erforschen. Wir haben beschlossen diese Orte mit dem Mietauto zu erkunden, da es hier sonst sehr schwer ist voranzukommen.

Überblick der letzten 2 Wochen. Im grün eingekreisten Bereich sind wir die letzten Tage rumgedüst.
Route: Salta (D) – Cafayate (A) – Salta – Tilcara (Auto-Symbol) – Salto Grande (C) – Tilcara – Salta

Salta

In Salta angekommen haben wir ein kleines Zimmer in einem Häuschen bezogen, welches von einer netten und hilfsbereiten Argentinierin betrieben wird. Von dort aus konnten wir unseren Roadtrip planen und uns ganz nebenbei noch Salta anschauen.

Salta selbst haben wir nur rudimentär erkundet, da wir gerade irgendwie keine Lust mehr auf Städte hatten. Argentinische Städte sind einfach nur anstrengend. Salta ist sogar mein Top Favorit für den Preis “unnötig komplizierte und anstrengende Stadt” (für weitere Infos darf der letzte Blogbeitrag herangezogen werden und um jede denkbare Unmöglichkeit erweitert werden :D). Eine Gondelfahrt zum Aussichtspunkt über der Stadt und ein kleiner Stadtbummel durften natürlich trotzdem nicht fehlen.

Der Stil von Salta ist irgendwie schwer zu beschreiben 🙂
Seitengasse
Blick vom Cerro runter auf die Stadt

Ein guter Tipp von unserer Hostelmama brachte uns dann noch in ein Parrilla, welches sonst nur von den Einheimischen besucht wird. Super Lecker! Inclusive traditioneller Folklore, Outdoor-Grill und gutem Wein abseits nerviger Touristen-Bespaßung. Nur diesmal verzichteten wir auf “Morcilla“: Eine glibberig-wabbelige Blutwurst, die nach warmem, geronnenem Blut und Glühwein schmeckt.

Typische argentinische Parilla-Grillstube

Die Cebrada de Cafayate

Die ersten Kilometer von Salta in Richtung Cafayate sind gesäumt von kleinen schmucklosen Dörfern in denen man aber zumindest hervorragende Empanadas am Straßenrand bekommt. An jeder Ecke stehen Polizei und Militär, die heranfahrende Fahrzeuge kontrollieren. Wie wir später von einem Argentinier erfuhren ist dies reine Prävention, um Drogenschmuggel aus Bolivien vorzubeugen. Man kommt sich trotzdem komisch vor bei den ganzen Straßensperren. Und jedes Mal wieder muss man den Ausweis vorzeigen und sich erklären wohin man unterwegs ist.

Ca. 60 Kilometer vor Cafayate verändert sich die Landschaft dann auf einen Schlag. Dörfer gibt es keine mehr. Die Umgebung wird wüstenartig, meterhohe Kakteen sprießen aus dem Boden und roter Ton- und Sandstein beginnt das Bild zu dominieren. Wieder ein paar Kilometer weiter glaubt man, man wäre auf dem Mars gelandet, würden die tiefroten Berge nicht immer wieder von Flussläufen mit satter grüner Vegetation durchzogen werden. Es folgen tiefe Schluchten mit weiteren riesigen Kakteen und gigantische Steinformationen mit einfallsreichen Namen wie “die Kröte” oder “der Schlund des Teufels”. Mal wieder eine Landschaft die wir so noch nie gesehen hatten.

Auf dem Weg sammelten wir mitten im Nirgendwo einen Anhalter ein, der den ganzen Weg von Buenos Aires hierher getrampt war und eine Karriere als argentinischer Folklore Sänger anstrebt. Ein netter Kerl, der uns noch ein paar Tipps für die Region mit auf den Weg gab. In Cafayate setzten wir ihn am Busbahnhof ab und schon trennten sich unsere Wege wieder.

Unbeschreiblich schön hier
Blick in den Teufelsschlund
“Die Kröte”

In Vino Veritas

Eigentlich unvorstellbar, dass Cafayate eines der beiden Top-Weinanbaugebiete Argentiniens ist (das andere ist Mendoza). Die Stadt wirkt wie ein unfertiges Dorf inmitten der Wüste Nevadas gepaart mit dem ganz normalen argentinischen Chaos. Die Straßen bestehen oft nur aus Sand, die Sonne knallt erbarmungslos und der Wüstenwind bläst ununterbrochen. Die Temperaturen sind stets zwischen 19 und 30 Grad. Auf einem der Weingüter wurde uns gesagt, dass gerade dieses Klima ganz wunderbar für Wein ist. Die vielen Weinberge sehen auf jeden Fall ganz toll aus, wie sie so inmitten der Steppe liegen und von den Bergen umrahmt werden. Der Wein selbst war zwar lecker, die Roten schmeckten mir persönlich aber irgendwie zu “erdig” und der viel angepriesene Torrontés ein wenig zu sauer und allesamt zu wenig “fruchtig” (Ooh Ja! Wir sind mittlerweile große Weinkenner). Ungeschlagen ist bisher einfach der chilenische Carmenére.

In der Finka Nani
In der Finka de las nubes
Weißwein-Eis und Rotwein-Eis

Natürlich stand der Cafayate-Besuch im Zeichen des Weins, jedoch haben wir uns losreißen können, um die Ruinen der Quilmes zu besuchen. Die Quilmes waren ein Volk, welches zur gleichen Zeit lebte wie die Inkas. Sie leisteten erfolgreich Widerstand gegen eben jene und wurden dann aber von den spanischen Invasoren getötet oder verschleppt. Das Museum und die wieder aufbereiteten Ruinen erinnern an das tapfere Volk. Das Museum war dabei ein regelrechter Hightech-Schuppen. Wir wunderten uns doch sehr darüber, da wir uns quasi mitten im Nirgendwo befanden. In einer Gegend mit 4 Regentagen pro Jahr – tadellose Wasserspülung auf dem Klo – Respekt!

Lamas hatten wir erst in Peru erwartet
Die Ruinen von Quilmes
Na, wer hat den Größeren?!

Cerros de los muchos colores

Einige Weinproben später verließen wir Cafayate wieder in Richtung Norden. Ein recht langer Fahrtag brachte uns erst wieder zurück nach Salta und dann weiter nach Tilcara, wo wir unser nächstes Revier bezogen. Auf dem Weg passierten wir erneut einige Polizeikontrollen. Diesmal war Ine am Steuer und musste ihren Reisepass vorzeigen. Der Beamte schaute ins Auto und fragte woher wir kommen. “Alemania” antwortete Ine. Da grinste der Beamte sie an, sagte “beautiful” und winkte uns unkontrolliert weiter. Ine ist seit dem der Meinung, eine ungeahnte Anziehung auf die argentinische Polizei auszuwirken.

Unsere Unterkunft in Tilcara war ein Lehmziegelhaus am Stadtrand. Nach einer recht kurzen ersten Nacht machten wir uns zum Sonnenaufgang auf zum “Cerro de los 7 colores” in Purmamarca. Der Hügel erstrahlt bei Sonnenaufgang in sieben verschiedenen Farben, aber eigentlich tun das alle Hügel in der Umgebung… und das den ganzen Tag. Trotzdem war es super schön auf der staubigen Straße vor dem Hügel unser Frühstück einzunehmen. Gesättigt fuhren wir weiter in Richtung Salinas Grandes del Noroeste, die größte Salzebene Argentiniens. Also eigentlich wollten wir da “nur mal kurz” vorbeischauen, da auch noch Salar de Uyuni (Salzebene in Bolivien) auf dem Programm steht. Wir hatten aber irgendwie verdaddelt, dass uns nur ein Pass dorthin führt, der bis auf 4170 Meter Höhe ansteigt. Ines Ohr ist dabei zugefallen und es dauerte eine ganze Weile bis sie wieder normal hörte.

Jegliche Bewegung auf dieser Höhe ist unglaublich anstrengend und so schnauften wir wie verrückt bei jedem Schritt den wir dort oben tätigten (nur um mal kurz auszusteigen um Fotos zu knipsen). Aber wir müssen uns jetzt an diese Höhen gewöhnen, denn in den nächsten paar Tagen werden wir uns wahrscheinlich meist in Höhen zwischen 2000 und 4000 Meter aufhalten (Nächste Ziele: San Pedro de Atacama – 2400m, Salar de Uyuni – 3600m, La Paz – 3600m …).

Kurzum: ES HAT SICH GELOHNT! Der Weg über die Berge war unbeschreiblich schön. Die Hügel und Täler glitzerten in allen Farben. Es ist wie so oft nicht möglich diese Schönheit in Fotos zu fassen, aber wir haben es trotzdem versucht und sind in einen regelrechten Fotowahn verfallen. Die ebenso beeindruckende Salzebene am Ende des Passes hat verglichen mit dem Weg dorthin schon fast zu wenig Aufmerksamkeit von uns erhalten.

Purmamarca am Cerro de los 7 colores
Gewundene Straßen führen über die Anden
…entlang fantastischer Landschaften
… mit fantastischen Farbenspielen
Sauerstoff wird knapp hier oben
Die Straße durch die Salina Grande del Noroeste
Salzige Verschnaufpause

Eigentlich wollten wir noch zum “Cerro de los 14 colores”, aber wir waren uns einig, dass die ganzen Cerros auf dem Weg schon weitaus mehr als 14 Farben hatten, also fuhren wir zurück nach Tilcara und ließen diese Attraktion links liegen.

Zurück nach Salta und ab nach Atacama

Unseren letzten Tag in Argentinien verbrachten wir noch einmal in Salta, um noch einige Erledigungen zu machen, wie Verpflegung für die kommende 10-stündige Busfahrt zu besorgen und ein Päckchen mit Andenken nach Hause zu senden. Die Post schickte uns aber wieder weg, da der Zollbeamte der unser Paket prüfen muss, nur morgens vor der Siesta da ist… Argentinien eben 🙂

Die Kommentare sind geschlossen.