Bueno Buenos Aires

Bueno Buenos Aires

Wenn der Grillgeruch in den Straßen hängt, die Knochensägen im Restaurant dröhnen und sich meterlange Schlangen vor den Geldautomaten bilden und sich das Ganze trotzdem eher wie Europa anfühlt, dann ist man in Argentinien.

Buenos Aires ist allerdings so ganz anders als der Süden Argentiniens. Immer noch sehr europäisch, aber lange nicht mehr so friedlich und geregelt. Hupende Autos rasen über den von der Sonne aufgeheizten Asphalt, Menschen schlendern in den Hochhausschluchten umher, die Bars und Cafés sind zu jeder Tages- und Nachtzeit prall gefüllt und die Parks sind voll von relaxten Mate-trinkenden Argentiniern.

Das phallusartige Wahrzeichen Buenos Aires’
Abseits der Häuserschluchten winken prächtige Bauten
Und JEDER hat eine Thermoskanne mit Wasser und Mate dabei

Buenos Aires ist eine sehr grüne Stadt, aber die Parks sind auch dringend nötig um sich ab und zu von dem Trubel der Stadt zu retten, ebenfalls den Mate auszupacken und einem der vielen Musikanten oder einfach nur den Vögeln zuzuhören (ja, oder auch dem vorbeifahrenden LKW). Ich bin jetzt übrigens auch stolzer Besitzer meines eigenen Mate-Sets! Großartig 🙂

Graviert, befüllt, genossen

Seltsamerweise findet man in Buenos Aires sehr viel mehr Pizza und Pasta als Asados. Wirklich an jeder Ecke gibt es ein Pizzeria, die aber auch die argentinische Version der Pizza zubereitet: Fugazetta, eine Art Flammkuchen aus Pizzateig mit sehr viel Zwiebeln und Käse oben drauf. Lustigerweise sind wir zufällig in eine der berühmtesten Pizzerias Buenos Aires gestolpert und wurden nicht enttäuscht. Viele Fußballstars gingen hier wohl schon ein und aus (und die meisten kenne ich zu meiner Schande nicht). Hier ist man irgendwie schnell unten durch, wenn man nicht Fußball-Interessiert ist, also muss man sein Bestes tun um das vorhandene Unwissen zu überspielen.

Fugazetta im El Cuartito

Expectamus Dominum

Als der erste Tipp eines anderen Reisenden war, uns den Friedhof in Buenos Aires anzuschauen, kam uns das etwas seltsam vor. Ein Friedhof als Touristenattraktion?! Ohja! Natürlich haben wir uns den Cemeterio de la Recoletta angeschaut und wurden keineswegs enttäuscht. Dieser Friedhof ist eher eine “Stadt der Toten”. Wie ein Labyrinth ziehen sich verwinkelte Gassen durch die Mausoleen, Grabstätten und Denkmäler. Prunkvolle tempelartige Gräber von berühmten Persönlichkeiten wechseln sich ab mit zerfallenen Stätten, an denen nur noch verrostete Gatter die teilweise übereinander gestapelten Särge oder die dunklen Abgänge zu den Katakomben schützen. Byzantinische, neo-klassizistische, gotische und auch moderne Stätten, alles auf einem Haufen. Nirgendwo auf der Welt habe ich bisher so stark gefühlt, dass der Tod unwillkürlich zum Leben dazugehört (Außer vielleicht damals in der Knochenkirche in Tschechien – Das war nochmal ein anderes Kaliber). Auch Eva (Evita) Peron liegt auf Recoletta begraben – wen die Geschichte der Präsidentengattin interessiert, kann gerne mal hier nachlesen: Wikipedia – Eva Peron.

Ein Labyrinth aus Grabstätten
Hier liegen einige der bedeutendsten Persönlichkeiten Argentiniens
Zum greifen nah – Ja, die sind befüllt

Bei Austritt aus der Stadt der Toten wird man mit den Worten verabschiedet: Expectamus Dominum. Heißt in christlichem Kontext soviel wie: “We expect the Lord“.

Karneval mit Murgas

Zur Zeit war gerade Karnevalswochenende in Buenos Aires. Man sagte uns bereits, dass der Karneval hier keineswegs mit Rio zu vergleichen sei, trotzdem machten wir uns am Faschingssamstag auf, uns die Umzüge in der Stadt anzuschauen. In jedem Barrio (Stadtteil) wurde eine Bühne aufgebaut und die Narren zogen von Barrio zu Barrio um ihre Shows zu präsentieren. Diese reichten von Tänzen und Akrobatik bis hin zu lustigen Reden (Verstanden wir quasi nicht – so gut ist unser Spanisch auch noch nicht). Begleitet von den traditionellen Murgas: Trommelgruppen, ähnlich unserer “Gugga-Musik” 🙂

Es gab zudem heiße Würstchen und Grillfleisch auf den Straßen sowie einen Stand an dem man sich mit Schaumspray eindecken konnte. Vor allem die Kinder hatten jede Menge Freude daran, sich gegenseitig zu jagen und mit dem “Schaum aus der Dose” zu besudeln.

Danach zogen wir noch nach Palermo in den Stadteil Soho weiter, um uns im nächtlichen Trubel noch ein Bierchen zu genehmigen.

Murgas – Trommlergruppen
Tanzdarbietung in einer Seitengasse

Tango Argentina

Ein weiteres Highlight war ohne Zweifel die Tango-Show, die wir uns angesehen hatten. Wir haben uns lange überlegt ob die Show eine Touristen-Abzocke oder wirklich sehenswert ist… Zweiteres war der Fall. Wirklich faszinierend, wie die Tänzer übers Parkett wirbeln, begleitet von einem traditionellen Orchester und Sängern. Wir machten uns sogar mal wieder richtig schick, gönnten uns eine Flasche guten Roten und genossen den Abend.

Endlich mal wieder schick – Wir gaben uns alle Mühe
Tango

Republica de la Boca

La Boca galt noch vor einigen Jahren als der gefährlichste Stadtteil Buenos Aires’. Es gibt zwar immer noch Ecken, in die man weder als Einheimischer noch als Tourist gehen sollte, aber der Rest von La Boca ist ein riesiger Tourismus-Magnet geworden. Im Endeffekt stellt man sich Buenos Aires genau so vor, wie La Boca ist: Tango, Asado und Cerveza auf den Straßen, bunte Gebäude, Märkte und Straßenkünstler – ein quirliger Trubel.

La Boca war einst eines der bevölkertsten Vierteln Buenos Aires’. Wegen einer Gelbfieber-Epidemie zogen 1870/71 aber vor allem die betuchteren Leute in den weniger bevölkerten Norden der Stadt und die Häuser wurden an Immigranten vermietet. Es bildeten sich zwei Lager: Die Aristokraten im Norden und das Proletariat im Süden. Im 19.Jahrhundert strömten dann viele Einwanderer aus Europa (hauptsächlich Italiener) nach Südamerika. Im Hafenviertel von La Boca ließen sich vorwiegend arme Händler nieder und lebten in Wellblechhütten auf engstem Raum. Gegen 1882 lebten in La Boca so viele Italiener, dass die Einwohner den Stadtteil sogar zur “Unabhängigen Republik La Boca” erklären wollten und diese Erklärung nach Italien sandten. Aus der Idee wurde aber nichts, da der damalige argentinische Präsident dem recht schnell ein Ende setzte. Trotzdem war und ist La Boca eine ganz eigene Stadt in der Stadt.

Die bunten Häuschen La Bocas sind vorallem dem Maler Quinquela Martin zu verdanken, der der Gegend neues Leben einhauchte und zudem eine Geburtsklinik, eine Schule und den Plaza bauen ließ. Die einst tristen Wellblechhütten (Conventillos) wurden bunt bemalt und bald erschien La Boca in den grellsten Farben und immer mehr Künstler und mit ihnen Toursisten kamen nach La Boca. Zudem zieht das Stadion der Boca Juniors (Das Bombonera) fußballbegeisterte aus aller Welt an. Die Spiele müssen jedes Mal wirklich faszinierend sein: Das Stadion wurde erdbebensicher gebaut, aber nicht weil es in Argentinien Erdbeben gibt, sondern weil die Fans so wild hüpfen, dass das Gebilde sonst zusammenbrechen würde. Leuchtfeuer und Konfetti verdecken quasi das ganze Feld und die Hooligans La Doce bewerfen die “Feinde” mit Urin gefüllten Bierflaschen oder toten Hühnchen. Ein Einheimischer gab uns den Tip mal folgendes Video zu schauen, das ich euch nicht vorenthalten will: La Doce – Youtube

Der erste öffentliche Fußballplatz
Trubel in La Boca
Caminito
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