Feuer und Eis

Feuer und Eis

Die Überschrift könnte genauso gut lauten: “Im Bus”. Denn schon wieder sitzen wir im Bus. Diesmal um die Grenze nach Argentinien zu überqueren. In ein paar Stunden kommen wir in El Chaltén an – ein weiteres Wanderparadies Patagoniens. Leider sind all die Orte hier im Süden nur durch zerklüftete und fragwürdig ausgebaute Straßen verbunden (Ausgenommen der Carretera Austral). Zwischen zwei Orten liegt kilometerweit nur Pampa: Wüstenartige Grasfelder und Hügel mit kleinen Büschen. Ab und an kann man Nandus, Guanakos und patagonische Füchse beobachten, ansonsten ist hier nichts… Ich nenne es: “Das große Garnichts am Ende der Welt!” In der letzten Woche saßen wir also dutzende Stunden in Bussen um durch das Garnichts zu fahren und um von A nach B zu kommen.

Viel gibt’s hier nicht mehr (Aufnahme irgendwo in Feuerland – aber im Großteil Patagoniens sieht es ähnlich aus)
Guanako am Wegesrand

Torres del Paine und der Schmerz mit dem Wetter

Als wir von der Fähre stiegen, wollten wir uns gleich für den nächsten Tag einen Bus in den Nationalpark “Torres del Paine” buchen. Die drei Bergtürme sind DAS Wahrzeichen Chiles und sogar auf dem 1000 Pesos-Schein abgebildet. Als wir im Hostel ankamen sagte man uns jedoch, dass nach einer heftigen Trockenzeit nun eine heftige Regenzeit angebrochen sei und die Zufahrtswege zum Nationalpark überschwemmt wären. Da wir bekennende “Schönwetterwanderer” sind, mussten wir jetzt unsere Pläne kurzerhand ändern. Also blieben wir nur 2 Nächte in Puerto Natales und machten uns dann auf nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt des amerikanischen Kontinents.

Hostel in Puerto Natales (Mit Hund und Frau)
PUERTO in Puerto Natales
Hier ist die Zeit teilweise stehengeblieben

Der König der Pinguine

In und um Punta Arenas haben sich viele Pinguinkolonien angesiedelt. Da wir sowieso interessiert daran waren, wie es denn auf der Tierra del Fuego (Feuerland) so aussieht, nahmen wir weitere Bus- und Fährfahrten auf uns, um die Magellanstraße zu überqueren und dem Südpol noch näher zu kommen. Denn inmitten von Feuerland haben sich schon die sonst nur in subantarktischen Gefilden beheimateten Königspinguine niedergelassen (Piiiiinguineeeeee🐧 und dann auch noch eine der größten Art die existiert).

Also Feuerland an sich ist noch ein viel größeres Ödland als der Rest von Patagonien. Faszinierend, ja, aber ich frage mich wirklich ernsthaft was die Menschen dazu veranlasst hat, sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung niederzulassen.

Schriftliche Überlieferungen dieser Zeit gibt es keine. Die ersten Menschen waren zu Lebzeiten zu sehr damit beschäftigt nicht draufzugehen, als damit, irgendetwas aufzuschreiben. Auch eine wirkliche Religion oder einen Glauben gab es hier nicht. Die Leute glaubten an die Natur und das war’s. Aber ihre Frauen unterdrückten sie wohl auch ganz ohne Religion, indem sie sich als Waldgeister verkleideten, um ihnen Angst zu machen. Lange überlebt haben die Eingeborenen übrigens nicht. Die, die es geschafft haben, wurden von den ankommenden Spaniern vertrieben oder aufgesammelt und sind in den neuen Kolonien an Alkoholismus gestorben. Aber immerhin erklärte sich meine Frage wieso das hier unten “Feuerland” heißt: weil die Kolonialisten überall auf der Insel lodernde Lagerfeuer, entfacht von wärmesuchenden Menschen, gesehen hatten, als sie mit ihren Schiffen die Küste entlang segelten.

Die Pinguine sind irgendwie härter drauf als wir Menschen. Die Kolonie die wir besuchten, sah sehr zufrieden mit der Gesamtsituation aus. Es war toll diesen faszinierenden Tieren zuzusehen wie sie in ihrer kleinen Gemeinschaft leben. Hier wird niemand unterdrückt und keiner verkleidet sich als Waldgeist. Wir sollten manchmal mehr so sein wie die Pinguine.

Die südlichste Stadt des amerikanischen Kontinents
PUERTO in Punta Arenas
Pinguine auf Feuerland
Friedvolles Beisammensein

Zurück zu den Torres

Es schien als beruhigte sich das Wetter allmählich und so fuhren wir zurück nach Puerto Natales, um uns die vielgelobten Torres del Paine anzuschauen.

Wir hatten uns für zwei Tageswanderungen entschieden. Die meisten Leute kommen aber hier her, um den W-Trek zu laufen – 3 bis 4 Tage dauert der Spaß. Mit dem Zelt auf dem Rücken um das Bergmassiv herum. Das ganze hat allerdings eine Schattenseite: vor ein paar Jahren hat jemand mit seinem Gaskocher den halben Park abgebrannt (Erinnert ihr euch an die Trucker, die fast die Fähre abgebrannt hatten? Ich weiß nicht, was für ein Problem die Leute hier mit ihren Gaskochern haben.) Seitdem ist das Campieren und Übernachten im Nationalpark so krass reguliert, dass man neben Tagen der Planung auch hunderte von Dollars auf den Tisch legen darf, um sich im Park niederzulassen. Auch der stinknormale Eintritt ist so dermaßen überteuert, dass sich einem schon die Haare sträuben bevor man drinnen ist. Trotzdem ist der Park so überlaufen, dass man sich mit anderen Menschenmassen Arsch an Arsch die Berge nach oben schiebt.

Ganz ehrlich: ja die Torres sind verdammt schön, aber ich würde hier trotzdem nicht mehr herkommen. Wir vermuten tatsächlich, dass die Dolomiten ähnlich spektakulär sind und haben uns vorgenommen diese zu besuchen, wenn wir wieder zuhause sind.

Ausblick nach dem ersten Aufstieg
Salto Grande
Die Wahrheit am Torres Base Trek
Torres del Paine – We did it
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