Reise zum Ende der Welt

Reise zum Ende der Welt

Nachdem wir mit unserem neuen Freund Hannes aus Stuttgart ein paar schöne Tage in Valdivia verbrachten, hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Wir machten uns auf nach Puerto Montt, von wo aus wir mit der Fähre nach Patagonien übersetzten. Vier Tage haben wir, abgeschnitten von der Aussenwelt, auf dem Schiff verbracht.

Eine Robbe wartete schon auf ihre Freifahrt in den Süden

Am Freitag Morgen bereiteten wir uns bereits auf die Reise “al fin del mundo” vor. Da wir uns in Patagonien nicht mehr auf unsere Kreditkarten verlassen wollten, besorgten wir noch genügend Bargeld und zudem ein bisschen Proviant in Form von Keksen und Chips. Das Essen auf der Fähre sollte Berichten zu Folge nicht dass Schlechteste sein, also verließen wir uns darauf.

Freitag 10 Uhr – Check-In im Büro von Navimag. Wir gaben unsere Backpacks ab und uns wurden Kabinen zugewiesen. Wir hatten uns eine 4er Kabine, die unterste Kategorie ohne Fenster, gegönnt. Dann Abmarsch zum Bus, der uns in einen etwas weiter entfernten Hafen zur Fähre brachte.

Das Boarding verlief problemlos und bald schon fanden wir uns auf dem etwa 140 Meter langen Fährschiff wieder, das für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte. Wir inspizierten das Schiff und genossen den sonnigen Tag, den wir bis zur Abfahrt damit verbrachten an Deck zu stehen, mit anderen Leuten zu reden und auf den Hafen zu starren – Herrlich, einfach nichts zu tun zu haben und auch die Gewissheit, dass sich das in den nächsten Tagen nicht ändern wird. Die einzigen Termine werden Frühstück, Mittagessen und Abendessen sein, die in der Schiffskantine serviert wurden. Alkohol ist auf den Fähren übrigens verboten, da vor einiger Zeit eine Gruppe Trucker in volltrunkenem Zustand ein BBQ in ihrer Kabine veranstaltete und das Schiff fast niederbrannte… War uns aber irgendwie auch recht, denn unser Rotweinkonsum nahm schon bedenkliche Ausmaße an (chilenischer Carménère – ein Traum).

Der Speisesaal, Aufenthaltsraum, Allzweckraum…
Unsere geräumige 4er Kajüte
An Deck

Als wir endlich ablegten, schoss mir gleich das Bild aus dem Titanic Film vor Augen, wie die Menschen bei der Abfahrt ihren Verwandten und Freunden an Land zuwinken. Gut, dass dies der einzige Vergleich mit der Titanic bleiben sollte. Spoiler: nicht gesunken!

Das erste Abendessen war verblüffend gut und wir waren in freudiger Erwartung, dass wir auch in den nächsten Tagen nicht enttäuscht werden würden. Auch verstanden wir uns auf Anhieb super mit unseren Zimmergenossen in der Kabine – Uli und Bernhard aus Frankfurt – ein Pärchen so etwa im Alter unserer Eltern 🙂 Wir spielten uns gleich gut ein und verbrachten die meiste Zeit auf dem Schiff zusammen.

Ein großartiger Zeitvertreib waren doofe Gesellschaftsspiele mit unseren Zimmergenossen

Am ersten Morgen hieß es früh aufstehen, um an einem wolkenlosen Morgen den Sonnenaufgang über den Fjorden zu betrachten. Wahnsinn! Die aufgehende Sonne brachte Meer und Berge zum glitzern und hüllte die Umgebung in ein orangenes Tuch.

Here comes the sun

Die Tage zogen dann nur so an uns vorbei. In Ruhe und Melancholie versunken, fast schon in Trance, betrachteten wir die vorbeiziehende Landschaft und wie sich diese allmählich von grünen von Bäumen gesäumten Hügeln zu kargen Felslandschaften wandelten. Auf dem Weg begegneten uns Delfine, Robben und Pinguine, Kondore drehten ihre Kreise über unser Schiff und vorbeiziehende Wale prusteten hohe Wasserfontänen in die Luft. Mit einem Mate in der Hand und netter Gesellschaft verging die Zeit wie im Flug.

Chillen…
… Berge gucken …
… Mate trinken und schreiben (Projekt noch streng geheim!)

Ein hoher Wellengang erwartete uns am zweiten Tag der Überfahrt. Als wir vom Schaukeln des Schiffes wach wurden und zum Frühstück wankten, war der Saal verblüffend leer. Viele waren wohl mit ihren Spucktüten in der Kabine beschäftigt. Wir hatten jedoch Spass daran, die von den Tischen rutschenden Kaffeebecher zu beobachten, die von ihre unvorsichtigen Besitzern immer wieder aus den Augen gelassen wurden. Am Abend gab es dann Piratenbingo… Also Bingo, mit dem Unterschied, dass jeder Teilnehmer einen Piratenhut tragen musste. Ja, die Crew gab sich wirklich Mühe der Fähre etwas Aida-Charakter zu verpassen. Musste aber nicht unbedingt sein, meiner Meinung nach 🙂

Am letzten Tag wurde es windig und die Temperatur sank deutlich. Wegen dem hohen Seegang am Vortag hatten wir jetzt schon eine Verspätung von knapp 6 Stunden, aber eigentlich wollten wir sowieso gar nicht mehr von der Fähre runter. Wir durchfuhren enge Seepassagen und die Vegetation um uns herum wirkte wie versteinert. Kleine provisorische Leuchttürme zeigten den Weg durch das endlose Labyrinth der chilenischen Fjorde. Gletscher tauchten vor unseren Augen auf. Die schneebedeckten Gipfel am Horizont hat vermutlich noch nie ein Mensch bestiegen, die endlosen Hügel die wir passierten noch nie ein Mensch durchwandert. Wasservögel kreischten an den Ufern der glitzernden Inseln… Wir waren in Patagonien angekommen.

Willkommen in Puerto Natales. Eine der südlichsten Städte der Welt.

Unsere Route im Überblick: https://cdn2.hubspot.net/hubfs/2839840/MAPAS%20PARA%20WEB-01%20(1).jpg

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