Breaking Bad

Breaking Bad

Unsere Reise führt uns nun weiter Richtung Süden in die Hafenstadt Valdivia. Der letzte Halt bevor wir die Fähre nach Patagonien besteigen. Zuvor haben wir allerdings noch die Sehenswürdigkeiten Pucons betrachtet. Eine davon war der dampfende Vulkan Villarica und der war nicht von schlechten Eltern… Wir wussten zu Beginn noch nicht, dass dies die krasseste Wanderung unseres Lebens sein wird.

Jetzt echt? Da hoch?!

Durch Eis und Schnee auf den Vulkan

Auf den Vulkan ging es nur per geführter Tour. Der Touranbieter war zwar schon von Anfang an etwas zwielichtig, aber das Hostel hatte das Ganze organisiert, also dachten wir uns, dass das schon passen wird…

Am Tag des Aufstiegs trafen wir uns um 6 Uhr morgens und bekamen unsere Ausrüstung. Noch immer waren wir im Glauben, dass wir den Vulkan “einfach” hochwandern. Keiner der Guides sagte uns jedoch, dass sich auch Spikes, eine Gasmaske und ein Eispickel im Gepäck befanden….

Pünktlich gegen 7 kamen wir am Basislager des Vulkans Villarica auf ca. 1000 Höhenmetern an. Der Wind pfiff über die karge Landschaft und es war deutlich kühler als in Pucon. Der rauchende Berg lag direkt vor uns und wir bestaunten seine schneebedeckten Gipfel, die nochmal 1800 Höhenmeter über uns lagen.

Die ersten 400 Höhenmeter legten wir mit einer alten Seilbahn zurück, die ohne jegliche Sicherungsbügel auskam. Dann hieß es 1400 Höhenmeter nach oben zu steigen.

Ohne Netz und doppelten Boden
Noch ziemlich motiviert auf halber Strecke
Hoch durch die Eiswüste

Zunächst ging es mehrere Stunden durch eine Asche- und Geröllwüste, bevor sich die Landschaft nach und nach mit Eis und Schnee bedeckte. Jetzt hieß es die Spikes anzulegen. Wir bekamen noch eine kurze Einführung wie wir den Eispickel zu benutzen haben und wie wir ihn in den Boden rammen sollen, falls wir abstürzen (Keiner ist abgestürzt!).

Spikes anlegen nicht vergessen

Ungefähr 2-3 Stunden ging es dann mit einer Steigung von mindestens 30 Grad, mit den Spikes an den Schuhen im Zickzack die eisigen Abhänge nach oben. Der Wind blies so stark, dass wir bei jeder stärkeren Böe unsere Eispickel in den Boden rammen und uns daran festhalten mussten, um nicht weggeblasen zu werden. Wir hätten tatsächlich fast aufgegeben, aber der Wille den Gipfel zu erreichen und in den dampfenden Krater zu blicken war stärker.

Und immer weiter und weiter

Ungefähr einen Kilometer vor dem Kraterrand und nach ca. 5 Stunden des Aufstiegs legten wir unsere Gasmasken an, da der Vulkan toxische Gase absondert. Und dann nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit erreichten wir die Spitze des Villarica. Wir heulten fast vor Stolz, konnten den Moment aber nur kurz genießen. Da es nicht sehr sicher ist, am Rand eines aktiven Vulkans zu stehen, mussten wir gleich schon wieder den Rückweg antreten.

We did it

Wer jetzt denkt wir mussten den ganzen Weg wieder nach unten laufen, der liegt falsch. Nach kurzer Zeit packten wir unsere kleinen Bobs (oder auch Arschrutscher) aus dem Rucksack und heitzten die Hänge des Vulkans hinab. Jiiiihhaaaaa!!

Die Wanderung durch Mordor in Neuseeland war schon krass, aber das hier grenzte wirklich schon an Bergsteigen. Wir sind verdammt stolz, dass wir den Aufstieg geschafft haben.

Auf dem Arsch ging es nach unten
Der Müllmann ist gelandet

Entspannung(?) in den heißen Quellen

Am nächsten Tag regnete es. Ein perfekter Tag um eine der vielen heißen Quellen rund um die Seenregion zu besuchen. Mit einem kleinen Lokalbus und zwei Freunden aus dem Hostel machten wir uns auf, die geschundenen Knochen zu entspannen.

Man muss wissen, dass “Entspannung” in Südamerika wohl etwas anderes bedeutet als bei uns. So machten wir schon ganz schön große Augen, als wir die Menschenmassen vor der Terme sahen. Die Anreise war aber so weit, dass wir natürlich trotzdem rein gingen.

Es gab mehrere Termalbecken, innen und außen. Jedes Becken besetzt mit hunderten Chilenen, Arsch an Arsch! Kleine Kinder mit Taucherbrillen sprangen umher (wir nannten sie “Pflastertaucher”), es herrschte ein Geräuschpegel wie im Fußballstadion und einer hatte sogar seinen Hund dabei. Irgendwann aklimatisierten wir uns und grölten und jubelten im Außenbecken mit, als wieder mal der Starkregen einsetzte. Grandiose Erfahrung, aber nicht sehr entspannend 🙂 Fotos gibt es leider aus Ermangelung eines Fotoapparats keine.

Auf in die Terme

Und nochmal nach oben?!

Um die Tage in Pucon erfolgreich abzuschließen, wollten wir noch El Cañi besuchen, ein Naturschutzreservat in dem man weltweit die einzigen Aurakarienbäume bestaunen kann. Irgendwie mehr Kaktus als Baum, aber wunderschön. Was wir unterschätzten war, dass der Aufstieg in dieses Reservat schon wieder fast 1200 Höhenmeter umfasste und uns der Vulkan noch in den Knochen saß… Aber als wir schon wieder knapp 10km und 900 Höhenmeter gemacht hatten und wirklich nicht mehr konnten, machten wir einfach bei einigen wunderbaren Lagunen Halt, bestaunten die Landschaft und die Kaktusbäume und ließen die anderen Wanderer den Aufstieg bis zum Gipfel vollenden. Man muss auch mal wissen wann Schluss ist!

Entspannung am Sumpf
Jiiiihawww
Aurakarien
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