Der mit den Rochen tanzt

Der mit den Rochen tanzt

Und schon wieder sitzen wir am Flughafen. Der Flughafen Faa’a in Papeete ist ungefähr so groß wie der Bahnhof in Ulm und exakt eine “Bar” hat noch offen, in der wir jetzt noch die restlichen 6 Stunden bis zum Abflug totschlagen. Irgendwer hat wohl beschlossen, dass 3 Uhr Nachts eine gute Uhrzeit ist, um mitten über den Pazifik zu fliegen.

Immerhin sind wir gerade nicht komplett nass. Wir haben es tatsächlich irgendwie geschafft trockenen Fußes von der Nachbarinsel Moorea nach Tahiti zurück und von Papeete aus zum Flughafen zu gelangen. Das ist ganz schön beeindruckend, denn wenn wir zurückblicken, dann waren wir bisher in Französisch Polynesien entweder komplett nassgeschwitzt, vom Regen bis auf die Unterhose durchnässt oder aber (dann freiwillig) im Meer unterwegs (was bekanntlich auch nass ist). Denn das Wetter wechselte wirklich alle halbe Stunde: von saunaartiger Hitze über Regen und Sturm hin zu Dampfbad.

Der Pilgerweg nach Tema’e

Als wir in Moorea ankamen hatten wir nur eine grobe Beschreibung des Weges zu unserer Unterkunft in der Tasche. Irgendwie gibt es tatsächlich keine Adressen in dieser Gegend und so lautete die Beschreibung der Dame in deren Gästezimmer wir uns eingemietet hatten irgendwie so (auf französisch): “Immer dem Weg vom öffentlichen Strand aus folgen und dann so ungefähr zwischen Golfplatz, Meer und See. Dort das blaue Tor (…) der Schlüssel liegt in der Kommode unter dem zweiten Handtuch”. Wer ein richtiger Traveller ist, der nimmt natürlich kein Taxi sondern den lokalen Bus (wir hatten sowieso keine Hoffnung, dem Taxifahrer auch nur annähernd erklären zu können wo wir hin wollten). Der Bus fuhr allerdings nur die Hauptstraße entlang und, so schnell konnten wir gar nicht schauen, standen wir mit Sack und Pack auf einer abzweigenden Schotterpiste, die wohl der Weg zu unserer Unterkunft war.

Nach einer Stunde Fußmarsch in der glühenden Hitze, vorbei an perlweißen, palmengesäumten Stränden mit kristallklarem Meer, rettete uns ein Kokosnussverkäufer vor dem sicheren Hitzetod (wir befanden uns mitten in der Periode “saunartige Hitze” – 30 Grad, 80 % Luftfeuchtigkeit).

Halber Weg geschafft
Die rettende Kokosnuss

Letztendlich fanden wir das Häuschen unserer Gastgeberin Frederique und quartierten uns dort erst mal ein – bzw. stellten uns sofort unter die eiskalte Außendusche.

Das Häuschen ist übrigens ein kleines Paradies! Direkt am Meer an einem weißem Korallenstrand kann man es sich doch gut gehen lassen.

Die Lagune der Stachelrochen

Schon auf Tahiti hatte uns eine Dame aus Kambodscha etwas von den netten Stachelrochen erzählt, die wohl sehr neugierig sind und sich gerne streicheln lassen. “HÄÄH – klingt irgendwie absurd“, dachten wir. Bis zu dem Zeitpunkt, als wir uns mit einem Boot zu einer kleinen Lagune schippern ließen und dort im Korallenriff mit Stachelrochen, Riffhaien und tausenden anderen Fischen schnorchelten. Wir sind mittlerweile nicht mehr leicht zu beeindrucken, aber dieses Riff und dessen Artenreichtum war wirklich unglaublich! Und als ein Einheimischer die Rochen, Riffhaie und anderes Getier mit Futter anlockte, während wir im Wasser waren und tausende Fische dann um uns herum tanzten, das war ziemlich einzigartig. Und ja, wir haben die Stachelrochen gestreichelt!!

Wimmelbild ohne Waldo
Auch Nemo war da
Vorne Hai, hinten Ine (glaube ich?!)
Haut so zart wie Seide

Die umständlichste Pizza der Welt

Wir hatten schon mal von dem unberechenbaren Wetter gesprochen? Auch am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Moorea war es so, dass wir komplett klatschnass mit unserem gemieteten Roller durch das große blaue Tor zurück zu Frederiques Haus fuhren. An diesem Tag wurden wir mehrmals vom Regen überrascht und versuchten schon gar nicht mehr trockene Klamotten anzuziehen. Wir hatten uns aber fest vorgenommen an diesem Abend mal wieder lokal Essen zu gehen – trocken – und irgendwas mit Fisch in Kokosnussmilch, wie man uns empfahl. Also warteten wir, nachdem wir nach dem Regen die Dampfbad-Phase irgendwie im Zimmer überstanden, auf den nächsten monsunartigen Schauer, um dann danach schnell zum Restaurant zu fahren… leider hörte es nicht mehr auf zu regnen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich etwas unruhig werde, wenn man mich nicht regelmäßig füttert. Also beschlossen wir irgendwann einfach Pizza zu bestellen… gut, aber unser Haus hat keine Adresse, wir haben kein Telefon und zumindest mein Französisch ist inexistent. Mit dem Telefon half Frederique und die Dame von der Pizzeria konnte immerhin Englisch. Die Hürde der Bestellung war erledigt… blöd aber, dass der Weg zu unserem Haus so unzugänglich (und aktuell halb überschwemmt) war, dass sich die Pizzeria weigerte weiter als bis zur Hauptstraße zu liefern. Wir beschlossen also, dass ich in Badehose auf dem Scooter (und wasserdichten Tüten für die Pizza) über die überflutete Straße fahre und die Pizza entgegennehme. Als ich bei Regen in der Dunkelheit in einer zwielichtigen Ecke in Badehose auf den Pizzaboten traf, waren meine letzten Worte bis zur finalen Übergabe nur: “Do you have the Pizza? I have the money” (Und hier in Französisch Polynesien kostet eine einfache Pizza verdammt viel Money).

I did it

Und irgendwie doch ein Paradies

Französisch Polynesien ist ein Paradies! Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob es auch ein Paradies für Backpacker ist. Denn es ist wirklich alles verdammt sauteuer! Und bei Gütern die von Übersee kommen, da kann man das noch verstehen. Aber die Ananas von der Plantage gegenüber für 8 Euro oder das Zimmer im Bungalow für 800 Euro, das entzieht sich unserem Verständnis… so ziehen wir weiter in nach Südamerika und betreten bald das mysteriöse Rapa Nui – die Osterinsel.

Ja, Paradies. Das Wasser ist wirklich so türkisblau…
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