Die Rache der Sandfliegen

Die Rache der Sandfliegen

Laut einer Sage der Maori hat der Gott Tu Te Rakiwhanoa das herrliche Fiordland geschaffen. Die Menschen fanden dieses Land so schön, dass sie sich dort niederließen. Die Göttin der Unterwelt Hine-nui-te-po erschuf als Antwort darauf die Sandfly, damit sich die faul gewordenen Menschen dann doch nicht allzu wohl fühlten und wieder in Bewegung kamen.

Welch Überraschung, dass wir gerade im Fjordland zum ersten Mal auf die Sandfliegen trafen. Diese Mistviecher sind viel kleiner als Moskitos, treten gerne in Schwärmen (10.000+) auf und sorgten – wie die gute Göttin der Unterwelt es wollte – dass man sich an einem Ort plötzlich gar nicht mehr so wohl fühlt. Besonders an Orten mit Frischwasser in der Nähe, bei Windstille und in der Dämmerung oder am Morgen kommen sie aus ihren feuchten dunklen Verstecken gekrochen. Wie Vampire scheuen sie das direkte Sonnenlicht. Sie stechen die Haut des Opfers auf und laben sich am Blut der Lebenden… ich schweife ab… Wir haben auf jeden Fall schon einen Anglerbedarfsladen gestürmt und haben jegliche Salben, Kerzen und Räucherstäbchen gekauft, die wir gefunden haben. Schon mehrere Male flüchteten wir uns am Abend in den Camper, weil die Bisse der Kleinen wirklich höllisch jucken. Gut, dass sie wenigstens langsam und dumm sind, so dass die abendliche Camper-Säuberung meist schnell von statten geht.

Die Sandfliegen begleiteten uns den ganzen Trip die Westküste hinauf. Das folgende Bild zeigt wieder unsere Route.

Ab Wanaka fuhren wir weiter bis zum Franz Josef Gletscher. Von dort aus mit einem Zwischenstop nach Hokitika. Über Greymouth und Westport ging es in die Goldgräberstadt Murchison (ich liebe diesen Namen) und schließlich bis hoch nach Motueka und Marahau zum Abel Tasman National Park.

Es ist schwierig anhand von Orten zu beschreiben was wir so die letzten Tage erlebt haben, da wir eigenlich ständig in Bewegung waren. Mal hier mal dort anhalten um etwas anzuschauen oder kleine Wanderungen zu unternehmen. Dann spontan am nächstbesten schönen Ort übernachten, um dann wieder ohne jeden Plan weiter zu fahren… so ging das jetzt ein paar Tage. Sehr entspannend 🙂

Der schmelzende Franz

Wie ein Mahnmal der heutigen Zeit lagen die Überreste des einst mächtigen Franz Josef Gletschers vor uns. Ohne Frage ist der Gletscher immer noch sehr beeindruckend, aber gleichzeitig macht sein Anblick traurig. Vorallem wenn man den “Gedenktafeln” der neuseeländischen Behörde glaubt, die periodisch immer wieder auf dem Weg zum Gletscher auftauchen. Sie zeigen den Besuchern bis wohin sich der Gletscher vor einigen Jahren noch ausdehnte. Das ist Klimaerwärmung zum Anfassen!

Der Gletscher heute
Bis hier her ragte der Gletscher noch vor ein paar Jahren

Pfannkuchen, Robben und Goldgräber

Entlang des Westcoast wird man immer wieder mit einem Thema konfrontiert: Goldgräber. Hier waren wohl die einstigen Hochburgen der neuseeländischen Goldgräbergemeinde. Überreste sind Geisterstädte und verlassene Minen. Eine davon haben wir uns mal angeschaut. Leider haben wir uns nicht weit genug in den Minenschacht getraut, um zu sagen, ob da noch Gold rumlag oder nicht.

Meiner einer vor alten Tunneln der Goldgräber Ära

Weitere “Wunder des Westens” an denen wir unter anderen vorbeikamen, waren die Pancake Rocks und die Robbenkolonie bei Cape Foulwind.

Die Pancake Rocks (weil die Gesteinsschichten aussehen wie gestapelte Pfannkuchen)
Robbenmama mit Kind

Das Abel Tasman Abenteuer

Weil es uns juckte, wollten wir mal wieder etwas Neues ausprobieren. So beschlossen wir ein Kajak zu mieten, um damit stundenlang an der Küste des Abel Tasman National Parks entlang und teilweise Richtung offenes Meer hinaus zu einer kleinen Insel zu paddeln (weitere Robben). Das alles nur, um danach wieder stundenlang über Berge und Strände zurück zu laufen.

Jeder der schon mal Kajak gefahren ist, weiß, dass das mit der Zeit schon mal anstrengend werden kann. Für völlig ungeübte Kajaker wie uns, waren die 5(!) Stunden auf hoher See also kein Zuckerschlecken. Was mit großer Euphorie beim ersten Kilometer begann, schlug beim ersten Brennen der Oberarme schnell in andere Gemütslagen um. Als dann noch Wind aufzog und wir durch die Gischt vorbei an spitzen Felsen paddelten, an die uns die Wellen immer weiter drückten, zog auch ein klein wenig Panik auf. Als wir nach einer Ewigkeit völlig ermüdet an unserem Ziel-Strand anlegten und uns aus der salzigen Schwimmweste schälten, war die Aussicht auf die 4 stündige Wanderung zurück wenig verlockend. Aber nach einer Brotzeit hatten wir letztendlich doch wieder die Energie die Reise zurück anzutreten. Und ja, die Landschaft war wie immer atemberaubend. Am Ende war dieser Trip dann doch ziemlich cool und vielleicht haben sich Vöhringers auch mal wieder ziemlich dämlich angestellt 🙂

Los geht’s voller Motivation
Und nach 2 Stunden paddeln ging’s auch noch
Nach der Ankunft und einem ersten Marsch den Berg hoch erst mal ausruhen
Eine Belohnung war der Pinguin, der sich direkt am Wanderweg niedergelassen hat
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