Drachen und Hausschuhe

Drachen und Hausschuhe

Nach unserem Aufenthalt in Hakone hatten wir uns aufgemacht entlegenere Gebiete von Japan zu erforschen. Mit Takayama haben wir ein schönes kleines Bergdorf gefunden, in dem jeden Oktober eine Art Prozession für eine gute Ernte im Herbst abgehalten wird. Außenstehende könnten das Ganze auch mit einem japanischen Faschingsumzug verwechseln: bunt beleuchtete Festwägen und als Drachen verkleidete Männer ziehen begleitet von etwas verstörender Flötenmusik durch die Straßen der Stadt.

Festwagen bei der Hachiman Prozession
Takayama

 

Dass man in Japan irgendwie nen Fimmel für Schuhe und Sauberkeit hat, bekamen wir recht schnell mit. So sollte man zum Beispiel seine Schuhe immer ausziehen, wenn man ein Haus betritt. Aber unsere Unterkunft in Takayama hat den Vogel absolut abgeschossen… wir haben mal versucht den Sachverhalt in einer kleinen Grafik darzustellen.

Betritt man das Haus, so zieht man zunächst seine Schuhe aus und stellt diese wahlweise in den Schrank oder, wenn nass, setzt man sie auf ein Schuh-Trocknungs-Gerät. Will man sich nur ganz kurz im Eingangsbereich aufhalten, so kann man auf optionale Eingangsbereich-Sandalen zurückgreifen. Man wechselt nach dem Ausziehen der eigenen Schuhe dann aber eigentlich zu Einheits-Haus-Sandalen der Größe 38. Mit diesen Sandalen bewegt man sich in gemeinschaftlich genutzten Räumen. Das Schlafzimmer besteht in Japan meist aus einem Raum mit Tatami-Matten, dort rollt man zum Schlafen dünne Matratzen auf dem Boden aus (Exkurs: Früher bestand tatsächlich das ganze Haus aus einem solchen Raum, in dem die gesamte Familie wohnte. Tagsüber wurden die Matratzen in den Schrank geräumt und Abends zum Schlafen wieder rausgeholt. Das ist noch heute teilweise so, da es einfach platzsparend ist). Diesen Wohn-/Schlaf-Raum betritt man ohne die Sandalen, also barfuß oder mit Socken. Für das Klo gibt es extra Plüsch-Sandalen. An der Schwelle wird also das Schuhwerk gewechselt.

Mir persönlich ist das zu viel. Ich vergesse permanent die Klo-Schuhe wieder auszuziehen und laufe damit im Haus rum. Kein Japaner traut sich dann mehr auf’s Klo.

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