Hakone oder schwäbische Alb?

Hakone oder schwäbische Alb?

Auf den ersten Blick aus dem Fenster des Zuges in Richtung Hakone fühlten wir uns sehr heimisch. Grüne Hügel und eine Landschaft wie auf der schwäbischen Alb erwarteten uns. Auf jedem der Hügel könnte ebenso gut Schloss Lichtenstein stehen und es würde nicht weiter auffallen. Nimmt man mal die Tatsache aus, dass alle diese grünen Hügel eigentlich Vulkane sind und auf einem davon schon wieder der Schwefel brodelt, in dem schwarze Eier gekocht werden.

mit der Seilbahn die Alb nach oben…
… dann brodelt der Schwefel…
… und der Japaner kocht darin Eier.

In Hakone hatten wir ein schönes Hostel. Das Zimmer war aber eher eine Art Vogelhäuschen. Dort trafen wir sogar ein Pärchen das bei uns um die Ecke wohnt und jetzt unsere Andenken schon mal nach Hause transportiert 🙂 Die Welt ist so klein.

Vogelhaus-Hostel

Hakone ist für die Japaner der klassische Wander- und Ferienort mit einem See, Bergen, Seilbahnen und allem was man so braucht. Zu vergleichen mit Sölden oder ähnlichen Regionen bei uns. Mit dem Unterschied, dass die Leute nach Hakone kommen, um sich mit einem Verkehrsmittel nach dem anderen im Pulk über den Berg, durchs Tal und über den See durchschieben zu lassen. Die Reihenfolge: “Anstehen, fahren, gucken. Anstehen, fahren, gucken …” Das war so anstrengend, dass wir nach dem ersten Tag beschlossen haben die Verkehrsmittel zu meiden und wirklich wandern zu gehen. Wir fanden einen tollen alten Pilgerweg aus der Edo-Zeit. Dort trafen wir auf der 4-stündigen Wanderung ganze 3 Japaner… die restlichen 30.000 warteten wohl gerade an Seilbahn, Zug oder Schiff. Nach der Wanderung erblickten wir sogar den Mount Fuji (der übrigens nicht wie im Titelsong von Mila Superstar “Fujiyama” genannt wird, sondern nur Fuji oder Fuji San).

Was nach dem Wandern richtig toll entspannend ist, das ist ein japanisches Onsen. Eine natürliche heiße Quelle. Im Onsen gilt es natürlich, wie überall in Japan, einige absurde Regeln zu beachten. Ich versuche das mal zusammenzufassen: Vor dem Eingang werden erst mal die Schuhe in separate Mini-Schließfächer gesperrt. Gibt man den Schlüssel für dieses Schließfach an der Kasse ab, bekommt man einen neuen Schlüssel für den Spint für die Kleidung im Vorraum. Das Einzige, das man mit rein nimmt ist ein kleines Handtuch (oder wie Ine ein Geschirrtuch, wenn man nix anderes hat). Vor dem Bad in der Quelle setzt man sich nackt in einer Reihe mit den anderen Besuchern auf viel zu kleine Plastikhocker und wäscht sich mit dem kleinen Handtuch und Seife komplett sauber. Die Japaner nehmen es mit der Sauberkeit wirklich genau: während ich mich schon 3 mal gewaschen habe, schrubbt sich der Nachbar immer noch die Haare. Wie man sich den Hintern waschen soll ohne vom Hocker zu rutschen habe ich übrigens noch nicht herausgefunden. Ist man fertig, darf man in den Bade-Bereich. Das kleine Handtuch wird auf dem Kopf balanciert während man in die heiße Quelle steigt… die ist so heiß, dass einem nach 15 Minuten der Kreislauf einbricht, man sich dann erst mal ausruhen muss und sich dann irgendwann wieder waschen geht. Das kleine Handtuch ist mittlerweile komplett nass und nicht mehr zum Abtrocknen zu gebrauchen. Da man aber nicht tropfnass in den Umkleideraum gehen soll, muss man etwas warten bis man abgetropft ist, um sein richtiges Handtuch zu holen.

So interessant es hier ist, so gehen mir doch die vielen Regeln mittlerweile ein bisschen auf die Nerven (Im Hostel gibt es sogar eine Anleitung wie man sein Bett machen muss und auf öffentlichen Toiletten  Abbildungen wie man sich auf das Klo setzen soll). Ich werde das nächste Mal über den richtigen Gebrauch von Hausschuhen berichten. Vielleicht erstelle ich auch eine Grafik dazu.

Denkmäler auf dem Weg
Hakone Schrein
Der mächtige Fuji vom See aus mit einem Piratenschiff (natürlich, wieso nicht)
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